Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Damit beschäftigt sich das Ensemble in der Szenischen Lesung nach Christoph Storkebaum. Foto: Bettina Sieck

FINTHEN – Not macht erfinderisch. Dass diese alte Volksweisheit zutrifft, merkt man insbesondere in der aktuellen Situation der Pandemie mit ihren nötigen Kontaktbeschränkungen. Viele Veranstaltungen fallen aus oder werden auf unbestimmte Zeit verschoben. Ihr Vorhaben aber einfach fallen zu lassen, gefiel den Machern innerhalb der Finther Kirchspiel-Camerata der evangelischen Kirchengemeinde so gar nicht. Und wählten einfach ein anderes Format. Statt auf der Bühne kann man jetzt die Wiederaufnahme der szenischen Lesung „Die Schöpfung, ein genialer Plan?“ auf dem Bildschirm sehen. Eigentlich hätte die Aufführung bereits im März auf die Bretter gesollt.

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“: Der Beginn der Schöpfungsgeschichte scheint dem modernen aufgeklärten Menschen mit fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr zumutbar. Es sei denn, hier würde keine physikalische, sondern eine ganz andere Wirklichkeit beschrieben. Und könnte es sein, dass Glaube und Wissenschaft gar keine Gegensätze, sondern nur zwei Seiten ein und derselben Medaille bei der ewigen Wahrheitssuche sind? Um Fragen zu echten oder vermeintlichen Widersprüchen zwischen biblischer und naturwissenschaftlicher Sicht auf die Welt geht es in der Szenischen Lesung „Die Schöpfung, ein genialer Plan?“

Die ökumenisch zusammengesetzte Finther Theatergruppe Kirchspiel-Camerata widmet sich dieser Thematik spielerisch. Eine Familie hat auf Anregung ihres jüngsten Mitglieds, der Konfirmandin Evelin, zwei junge Wissenschaftler: einen Physiker und eine Biologin sowie einen pensionierten Religionslehrer eingeladen. Höchst unterschiedliche Überzeugungen über Gott und die Welt prallen hierbei aufeinander. Aber schon nach wenigen Sätzen wird deutlich, dass die Streitgespräche, die hier in einer bürgerlich-protestantischen Durchschnittsfamilie geführt werden, ebenso gut wortgleich in jedem katholischen Pendant dazu stattfinden könnten.

Der Text basiert auf einer Arbeit von Christoph Storkebaum, die bezeichnenderweise kein Fragezeichen im Titel hat und sich laut Untertitel an alle richtet, „die glauben und zweifeln“. Für die Bühnenfassung – mit Fragezeichen im Titel – ist Lutz Dreyer verantwortlich, der auch für die Live-Musik am Klavier sorgt.

Die Kirchspiel-Camerata hat sich als Theatergruppe im Zusammenhang der Festlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation gebildet. Sie steht unter der Leitung von Prof. Lutz Dreyer und ist inzwischen fest als Gruppe mit ökumenischer Besetzung in die evangelische Kirchengemeinde integriert. Mit Mitteln der Darstellenden Kunst will sie sich am Verkündigungsauftrag der Kirche beteiligen, ohne dabei die Heiterkeit des Spiels zu vergessen. Interessenten sind– unabhängig von Konfession und Alter – herzlich eingeladen, dabei mitzuwirken.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.