Mainz 05- Sportvorstand Rouven Schröder. Foto: Mainz 05

MAINZ – Gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden entwirft Fußballbundesligist Mainz 05 ein Konzept, um – sobald es erlaubt wird – die Fans im Stadion wieder begrüßen zu dürfen. Dazu und mehr der Sportvorstand des FSV Mainz 05, Rouven Schröder, im Interview mit der Lokalen Zeitung.

Herr Schröder, nach heftigem Auf und Ab und schließlich unter gespenstischer Corona-Stille ist Mainz 05 auch in der Saison 2020/21 erstklassig. Wie sehr steckt die vergangene Saison dem Verein in den Knochen?

ROUVEN SCHRÖDER: Es war in jedem Fall eine besondere Saison, vor allem vor dem Hintergrund von Corona. Als Vereinsverantwortlicher erlebt man da ähnliche Sorgen und Ängste wie alle anderen: Hoffentlich bleiben alle unsere Fans, Spieler, Mitarbeiter, Freunde, Partner und Verwandten gesund. Hoffentlich können wir die Krise finanziell überstehen und alle Jobs sichern. Hoffentlich können wir weiter arbeiten. Dank des gut ausgearbeiteten Konzepts der DFL konnten wir den Spielbetrieb aufrechterhalten, auch wenn es uns geschmerzt hat, dass die Fans nicht dabei sein konnten. Sie sind das Salz in der Suppe. Aber so mancher ihrer Lieblingsvereine wäre ohne die Fortführung der Saison finanziell zugrunde gegangen. Insofern haben wir die Zähne zusammengebissen und spielen weiter, auch damit wir bald wieder gemeinsam mit unseren Fans die Bundesliga genießen können.

Sie sprachen zuletzt im Hinblick auf die neue Saison davon, viele Dinge klar analysiert und ausgearbeitet zu haben. Können Sie Beispiele dafür nennen?

ROUVEN SCHRÖDER: Auch wenn wir es mit strikten Sparmaßnahmen und der Fortführung der Saison geschafft haben, uns finanziell über Wasser zu halten, war das Überleben in der Bundesliga erst mit dem Sieg gegen Werder Bremen am vorletzten Spieltag klar. Dass es so lange so eng war, damit sind wir natürlich nicht zufrieden. Wir sind noch enger zusammen gerückt, haben die Kommunikation untereinander noch einmal verbessert, indem wir die Dinge mit eine absoluten Klarheit angesprochen haben. Und das sind zwei der Faktoren gewesen, die am Ende auch zum Klassenerhalt geführt haben. Daran wollen wir anknüpfen und die Schärfe und Konsequenz weiter leben. Und natürlich dürfen wir auch nicht so viele Gegentore kassieren.

Durch Hygiene-Vorgaben gleicht die Mannschaft einer abgeschotteten Insel. Wie kümmert sich der Verein auch um die psychische Belastung der Spieler und des Teams, die den Leistungsdruck unter Pandemiebedingungen?

ROUVEN SCHRÖDER: Wir hatten den Eindruck, dass sich viele Spieler nach der Aufklärung durch unsere medizinische Abteilung und der Vorstellung des Hygienekonzepts der DFL sicher gefühlt haben in der Ausübung ihres Jobs. Sie sind sehr achtsam mit der Situation umgegangen. Auch abseits von Corona haben die Jungs immer die Möglichkeit, sich Hilfe zu holen für den Fall, dass sie etwas belastet. Die Türen unseres im Nachwuchsleistungszentrum fest angestellten Psychologen stehen auch für Profis offen, wenn sie Rat brauchen. Dazu sind auch die Teambetreuer immer für sie da. Und viel hat die Mannschaft auch unter sich aufgefangen. Hier muss niemand allein dastehen, wenn es ihm nicht gut geht und er Hilfe braucht.

Der Fußball beansprucht den Platz nahe an der Mitte der Gesellschaft und profitierte bisher davon. Wie kann der Verein die Gesellschaft in der Krisenzeit mittragen?

ROUVEN SCHRÖDER: Eine Aufgabe des Fußballs ist es, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Auch vor Corona war uns dies wichtig. Davon zeugt die nachhaltige und langjährige Arbeit in verschiedenen sozialen Projekten wie den 05ER KidsClub, das 05ER Klassenzimmer oder die 05ER Classics, die von kleinen Steppkes aus der Grundschule bis hin zu Fans im goldenen Alter alle Altersgruppen abdecken. Mainz 05 hilft e.V. kann dort unbürokratisch und schnell helfen, wo staatliche Stellen versagen. In der Corona-Krise war das Fortführen der Saison für viele auch ein Trost – nicht nur für die weit über 60.000 Menschen, deren Job von der Bundesliga abhängt. Auch wenn viele Fans traurig waren, dass sie nicht im Stadion sein konnten und einige deshalb den ganzen Profifußball hinterfragt haben, haben wir von vielen auch positives Feedback bekommen. Dass sie ihren FSV zumindest am Fernsehen wieder verfolgen und mitfiebern konnten, war für sie eine schöne Abwechslung zum sorgenvollen Alltag in Zeiten von Corona.

Vorausgesetzt die Zuschauer werden wieder ins Stadion kommen dürfen, wie könnte das in groben Zügen aussehen?

ROUVEN SCHRÖDER: Leider hat die Politik nun entschieden, dass wir uns noch bis Ende Oktober gedulden müssen, was wir natürlich respektieren. Nichtsdestotrotz arbeiten wir weiter gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden an einem Konzept, mit welchem wir so viele Zuschauer wie möglich und vor allem verantwortbar vor dem Hintergrund des jeweiligen Infektionsgeschehen wieder in der OPEL ARENA begrüßen zu dürfen. Sobald die Eckpunkte hierfür stehen, werden wir unsere Fans natürlich umgehend informieren. In jedem Fall wollen wir so schnell es geht wieder gemeinsam mit ihnen Fußball erleben – ohne dabei ihre Gesundheit zu gefährden.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.