Glücklicherweise sind Angehörigenbesuche in Seniorenheimen wieder erlaubt. Die Zeit, in der miteinander nur telefoniert werden konnte, ist vorbei. Foto: red.

ESSENHEIM/NIEDER-OLM – Der 1. Juli durfte für viele Bewohner der Seniorenresidenz in Essenheim ein besonderer Tag gewesen sein. An dem sommerlichen Mittwoch öffnete die Alloheim Senioren-Residenz „Domherrengarten“ die Tore für Besucher. „Natürlich unter der Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen“, sagt Cornelia Killgen, die Leiterin der Einrichtung, erfreut. Damit hat eine schwierige Zeit des Verzichts auf soziale Kontakte ein vorsichtiges Ende genommen. „Unsere Bewohner haben ihre Angehörigen sehr vermisst.“ Ähnlich bitter erlebten die Lockdown-Zeit die Bewohner der Seniorenresidenz in Nieder-Olm (Gesellschaft für ambulante und stationäre Altenhilfe, GFA). Die besondere Härte der Kontaktsperre drückte der Leiter der GFA-Residenz , Joachim Schmöckel, wie folgt aus: „Die Zeit ist für unsere Bewohner sehr kostbar.“ Übersetzt heißt das: Angesichts der Lebenserwartung zählt jeder Tag. Der Verzicht auf Familienkontakte schmerzt unendlich. Jetzt atmen alle wieder auf. „Die Bewohner genießen es, nun wieder Zeit mit ihren Liebsten zu verbringen“, betont Killgen. „Insbesondere mit ihren Enkeln und Ur-Enkeln.“ Denn zunächst sei der Besuch allen unter 18-Jährigen nicht gestattet gewesen. Jetzt kehrt die Freude zurück. „Auch Café- oder Restaurantbesuche, der Einkauf allein oder zusammen mit Angehörigen sind nun jederzeit möglich.“ Durch zusätzliche Gespräche und umfassendes Beschäftigungsangebot versuchten beide Einrichtungen das Ausharren in der Corona-Zeit zu erleichtern. Auch die Technik kam zum Einsatz. „Wir haben die Bewohner bei der Kontaktaufnahme mit den Angehörigen unterstützt. Neben den klassischen Telefongesprächen gab es Videotelefonate.“ Die Familien antworteten wiederum mit Briefen, beigelegten Fotos oder Geschenken. Nach der Akutphase wurde auch der Austausch untereinander im Garten „unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln“ wichtig. Zeitweise wurde der Residenzgarten wahlweise der Innenhof zum sozialen Dreh- und Angelpunkt: beispielsweise als Konzertplatz oder Ort für Gottesdienste. „Die Bewohner konnten sie von ihren Zimmerfenstern mitverfolgen“, erinnert sich Killgen. Mit Kreativität suchten die Betreuungsteams den Alltag so angenehm und kreativ wie möglich zu gestalten: Die individuelle Einzelbetreuung ergänzten Veranstaltungen in Kleingruppen, Lese- oder Quiz-Nachmittage oder Sitzgymnastik. „Unsere Alloheim-Ergotherapeuten trainierten weiterhin mit den Bewohnern, um sie körperlich und geistig fit zu halten.“ Doch was bedeutet das kommende Jahr in Zeiten der Pandemie für die Senioren? „Zunächst einmal sind wir froh, dass es ihnen allen gut geht und sie wieder Besuch von ihren Liebsten empfangen und die Einrichtung verlassen können. Wir alle hoffen, dass wir bald zurück zur Normalität gelangen.“ Für Besuche in Essenheim auf dem Zimmer ist eine vorherige Anmeldung über den jeweiligen Wohnbereich nötig. Das obligatorische Formular, drei-lagige Mund-Nasen-Masken oder selbstgenähter Mundschutz und der Anderthalbmeter-Abstand sind vorgeschrieben.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.