Tabea Rößner (3. v. l.i) übergibt Schülern der Berufsbildenden Schule Mainz die gespendeten Rechner. Foto: red

MAINZ – Sie sei eine Frau der Tat, sagt Tabea Rößner. Die Bundestagsabgeordnete (Grüne) hat eine Idee aufgegriffen, um eine der Nöte zu lindern, die während der Corona-Krise deutlicher wurde denn je. Dem Homeoffice der Welt der Erwachsenen entspricht während der Pandemie-Zeit bei Kindern und Jugendlichen das eingedeutschte Wort „Home-Schooling“.

Doch es gibt Unterschiede. Die unterrichtsfreie Lernzeit zu Hause legte viele Mängel des digitalen Lernens frei. Dagegen richtet sich Rößners Initiativaufruf, der „Gleiche Chancen beim Home-Schooling“ heißt. Als Mitglied des Bundestags nutzt die Mainzer Politikerin ihre Bekanntheit, um Privatpersonen und Unternehmen um Computer-, Tablets- oder Laptops-Spenden zu bitten, die im Haushalt oder Büro zu Staubfängern geworden oder ausrangiert worden sind.

Seit Ende Mai nimmt das Büro der Abgeordneten die ausgediente Hardware entgegen, bereitet sie auf und leitet an die Bewerber weiter. Im Juni und Juli haben beispielsweise die Schüler der Mainzer Berufsbildenden Schule und der Windmühlenschule Laptops erhalten, die unter anderem das Unternehmens „JuWi“ spendete. Weitere Rechner gingen an die Flüchtlingsunterkunft im Allianzhaus, ein Dutzend PCs nahm die Stiftung Juvente entgegen.

Nicht zufällig spielen die Nachhaltigkeits- und der ökologische Gedanke eine Rolle, so Rößner. „Man muss nicht immer alles neu kaufen.“ Der Besuch auf einem Recycling-Hof vor Kurzem,habe sie in der Erkenntnis nur bestärkt. „Es hat mir im Herzen weh getan, zu sehen, welche Mengen an elektrischen Geräten dort einfach verschrottet werden.“ Dabei gebe es Menschen,die einen gebrauchten PC oder Laptop sehr zu schätzen wissen, meint Rößner.

Da sie selbst schon mal die Hilfe in der Not erlebt habe, motiviere sie zusätzlich zum Handeln,sagt sie auf Nachfrage. „Ich befand mich als Alleinerziehende in einer kritischen Situation.“ Noch bevor sie in den Bundestag kam. „Ich habe meinen Job verloren und wusste nicht, wovon ich leben sollte und wie es weiter geht.“ Es seien damals ihre Freunde gewesen, die ihr „unter die Arme gegriffen“ haben.

Ihre Aktion soll genauso helfen. Bisweilen kümmert sich Rößner selbst um einen PC oder Laptop. Den Rechner unter Anleitung „platt zu machen“, die Festplatte auszutauschen und Linux aufzuspielen, sei ein lösbares Problem. Zumal ihr ein IT-Spezialist zur Seite steht. Bei umfangreicheren Spenden von Firmen kooperiert Rößners Team mit der Arbeitsloseninitiative des Bistums Mainz „Computer für alle“. Natürlich sei „die Nachfrage größer als die Anzahl der Spenden“, so Rößner. Sie will weiter fleißig sammeln. Für die Bewerbung um ein Gerät müssen „die Leute glaubhaft machen, dass sie ihn benötigen“, formuliert Rößner die Bedingung. Doch auch Lehrkräfte können für ihre Schüler Laptops oder Rechner beantragen.

Sowohl Spender wie Bewerber können sich unter tabea.roessner.wk@bundestag.de oder unter 06131/8924395 melden.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.