Violetta Gronau ist in jeder Hinsicht angekommen an ihrer ersten Pfarrstelle. Foto: Helene Braun

ZORNHEIM/EBERSHEIM – Die evangelischen Kirchengemeinden Zornheim und Ebersheim haben seit dem 1. Juni eine neue Pfarrerin. Das ist nach einjähriger Vakanz eine gute Nachricht. Und eine weitere: Violetta Gronau, die gerade 31 Jahre alt geworden ist, bezeichnet die Seelsorge als zentrales Element der pfarramtlichen Arbeit, als das, was ihr am Herzen liegt und wofür sie sich auch Zeit nehmen wird. „Mit Menschen zu tun zu haben in der ganzen Vielfalt, die jeder Mensch mit sich bringt, das hat mich schon immer gereizt. Langweilig wird es in diesem Beruf nie.“ Es ist ihre erste Pfarrstelle nach dem Vikariat in Mainz-Lerchenberg und Mainz-Drais und dem Spezialvikariat im Hospiz und in der Uniklinikseelsorge.

Violetta Gronau wurde 1989 geboren, wuchs im hessischen Friedberg-Dorheim auf und folgte ihrem Vater im Beruf, der viele Jahre als Notfallseelsorger tätig war. Das habe sie sehr beeindruckt. Doch die eigentliche Entscheidung fiel sehr viel später: In einem Auslandsjahr in Holland auf einem Bauernhof hatte sie Zeit und Abstand, darüber nachzudenken und schließlich war es klar: Sie studierte Theologie in Frankfurt und Münster. Das Spezialvikariat im Bereich „Seelsorge am Lebensende“ hat sie berührt und Erfahrungen gebracht, die sie prägten. Wie sterben Menschen, wie erlebt man den Tod als Angehöriger? Von ihren Erfahrungen profitiert sie jetzt bei Beerdigungs-und Trauergesprächen. Und wieder zeigt sich, dass die Bemühungen der sympathischen jungen Frau auf den Menschen gerichtet sind. Dass sie die – ebenfalls neue – Gemeindepädagogin Stephanie Breideband zur Seite hat, freut die junge Pfarrerin.

Aber auch die Zukunft der Kirche ist ein Thema, das Gronau sehr beschäftigt. Man weiß, viele Menschen wenden sich von der Kirche ab, Pfarrer werden Mangelware. Dabei habe Kirche einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Institutionen oder Unternehmen. „Ohne Therapieziel, ohne Profitstreben absichtslos Zeit miteinander verbringen, das ist das absolute Privileg, was Kirche noch hat und was wir als Pfarrer noch haben.“

Dennoch müsse Kirche flexibler werden und kreativer neue Möglichkeiten wahrnehmen, Kirche zu sein. Und auch sehr viel digitaler. Das habe man jetzt in der Corona-Zeit besonders stark gemerkt. Die Pandemie gleich am Anfang der Tätigkeit macht es ihr dabei nicht gerade leichter, nicht nur in Bezug auf die Gottesdienste. Auch die Ordination zusammen mit der Gemeinde musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. „In dieser Zeit haben wir erfahren, was Hoffnungsgemeinschaft bedeutet. Die Hoffnung haben wir vom Evangelium, unabhängig von Zeit und Raum.“

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.