Der scheidende Förster Jürgen Koch und die kommissarische Nachfolgerin Simone Rupp verstehen sich gut, doch die gemeinsame Zeit ist jetzt abgelaufen. Foto: Helene Braun

OBER-OLM – Schon Vater Helmut war Förster. Ihm folgte Jürgen Koch nach, denn er kennt den Ober-Olmer Wald seit seiner Kindheit. Nun hat sich der 62-Jährige für den Vorruhestand entschieden. Sein Dienst endet am 31. Juli. Nach 40 Jahren sei es an der Zeit, sagt Koch. In seiner Amtszeit war er verantwortlich die Wälder in mehreren Verbandsgemeinden. Doch die größte Herausforderung im Revier stellte der Ober-Olmer Wald dar. Unter anderem wandelte er Militärgebiet in Wald und Naturschutzgebiet um. „Ja, es wurden viele Pflöcke eingeschlagen, die noch lange wirken werden“, sagt Koch nicht ohne Stolz und Zufriedenheit in der Stimme. Und da hat er viel zu erzählen.

Fachhochschule, Anwärterjahr, Staatsprüfung, hier und dort Vertretungen und dann eine Stelle als Büroleiter in Winnweiler: „Irgendwann hatte man die Chance, übernommen zu werden und dann war man bei Landesforsten dabei.“ 1994 war die Stelle für das Forstrevier Ober-Olm ausgeschrieben und diese Möglichkeit nahm Koch natürlich wahr, kannte er doch den Wald wie seine Westentasche und alles, was dort seit 1970 geschehen war. Die kleinen Wäldchen in den VGs pflegte und erweiterte er um 30 Hektar. Im Ober-Wald geschah noch viel mehr über die gewöhnlichen Aufgaben eines Försters hinaus. Die größte Maßnahme: das Konversionsmodellprojekt, bei dem es darum ging, 100 Hektar für militärische Anlagen und einen Standortübungsplatz der Bevölkerung und dem Naturschutz zugänglich zu machen. Nicht nur pflegen und aufforsten waren hier gefordert.

Das Umbauen, die Neugestaltung und die Kommunikation mit den vielen Wald besitzenden Gemeinden und den Waldbesuchern erfüllten ihn mit besonderer Zufriedenheit. „Da gibt es 100 Wünsche. Ich habe immer versucht, im rechten Moment ein offenes Ohr dafür zu haben, aber auch mal nein sagen zu können.“ Das müsse man auch wollen, eben nicht nur Förster zu sein, der sich in der Hauptsache um Holzeinschlag und Holzverkauf kümmert. Die Gestaltung des heutigen Naturschutzgebietes war eine weitere anspruchsvolle Aufgabe für den Revierförster und eins der Ziele aus dem Konversionsprojekt. Der Waldumbau in Oppenheim vom Pappelwald zum standortgerechten Auenwald war ebenfalls ein Teil davon. Was ihn auch zufrieden macht: „Man kann es sehen, dass etwas geschehen ist.“

Forstinspektorin Simone Rupp arbeitet mit Koch bereits ein halbes Jahr und übernimmt ab 1. August kommissarisch die Nachfolge. Für das Anwärterjahr verließ die junge Frau ihre Heimat Esslingen. Wer auf Dauer Nachfolger wird, ist noch offen. Rupp: „Die Bewerbungsgespräche sind gelaufen, die Entscheidung steht noch aus.“ Simone Rupp wird es jedenfalls nicht sein, sie wird an anderer Stelle in Rheinland-Pfalz gebraucht und höchstwahrscheinlich im Bereich der Waldpädagogik tätig sein, ihrem Spezialgebiet. Für Jürgen Koch bleibt noch die Jagd. Auch in seiner Freizeit wird er immer mit dem Wald zu tun haben, das weiß er jetzt schon.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.