Auch das Atrium Hotel war viele Wochen geschlossen, hat inzwischen wieder geöffnet. Foto: Nathalie Zimmermann

MAINZ – Im Zuge der ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Coronakrise gehörte, dass die Hotels geschlossen wurden. Auch das Atrium Hotel in Finthen schloss am 17. März. Inzwischen ist es wieder geöffnet. Wir sprachen mit Dr. Lothar Becker, Inhaber des Atrium Hotels.

Dr. Lothar Becker, Inhaber des Atrium Hotels. Foto: Atrium Hotel Mainz

Herr Dr. Becker, wie sehr hat Sie die Schließung persönlich getroffen?

LOTHAR BECKER: Lassen Sie mich in der Sprache der Boxkämpfer antworten: Es war ein Runden-Ko, aber kein Tiefschlag und nicht bis ins Mark gehend. Kurz: Wir waren nicht nur be-, sondern auch getroffen. Aber wir sind wieder auf den Beinen. Und das hat nicht lange gedauert. 

Was geschah im Hotel während der Schließzeit?

LOTHAR BECKER: Wir haben die Zeit für Sanierungsarbeiten genutzt. Dabei waren unsere Mitarbeiter und auch Fremdfirmen im Einsatz. Darüber hinaus haben wir die anstehenden Brandschutzmaßnahmen vorgezogen, deren Erledigungsfrist bis zum 31. Dezember dieses Jahres angesetzt war. Sie sind mittlerweile komplett abgeschlossen. 

Wie wurde mit den Mitarbeitern verfahren?

LOTHAR BECKER: Wir haben alle Mitarbeiter von Anfang an informiert und in die konkrete Situation einbezogen. Es war viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Corona hat uns alle erschreckt und mit nicht alltäglichen Themen wie Kurzarbeit konfrontiert. Zudem galt es, auch während der Schließung operative Tätigkeiten im Hotel zu organisieren und für deren Durchführung Sorge zu tragen. Man kann ja nicht einfach den Schlüssel rumdrehen und fertig. Bei allem, was in dieser schwierigen Zeit getan werden musste und bei dem, was noch vor uns liegt, haben wir immer versucht, dort besondere Rücksicht zu nehmen, wo es nötig war. So konnten wir einzelnen Kollegen aktiv dabei helfen, die Krise zu meistern. Und wir sind sicher: Gemeinsam geht vieles und noch vieles mehr. 

Wie war die Stimmung bei den Mitarbeitern in dieser schwierigen Zeit?

LOTHAR BECKER: Wir alle haben wohl ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Die Situation war ja neu für uns alle. Reagiert haben die Mitarbeiter sehr unterschiedlich: Teils locker, teils angespannt, teils nachdenklich und teils auch mit großer Sorge. Wir sind ja alle Individuen mit ganz persönlichen Stärken und Schwächen und mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, ob ganz persönlich oder zu Hause mit der Familie. 

Bestand die Gefahr der Insolvenz oder ähnliches?

LOTHAR BECKER: Nein, zum Glück nicht. 

Wann war der erste Tag der Wiedereröffnung?

LOTHAR BECKER: Seit 2. Juni ist unser Haus wieder geöffnet. Es war ein wohlüberlegter Befreiungsschlag. Ein Stück Normalität, Glücksgefühle aber auch eine große Herausforderung. 

Wo liegen die Unterschiede zu der Zeit vor Corona?

LOTHAR BECKER: Derzeit registrieren wir noch eine verhaltene Nachfrage und bedingt dadurch ein reduziertes Geschäft. Wir haben weniger Mitarbeiter im Einsatz, denn unser Kerngeschäft, die Ausrichtung von Konferenzen, Tagungen und Events, läuft nicht wie gewohnt auf vollen Touren. Wir investieren viel Zeit in die Beratung der Kunden, denn es gibt in der aktuellen Situation viele Fragen und Wünsche, denen wir nachzukommen haben. Im intensiven Kontakt mit den Kunden sehen wir jedoch gute Chancen, Bedenken zu begegnen und einmal mehr zu zeigen, wo unsere Stärken liegen. 

Was bietet das Atrium-Hotel jetzt besonderes an?

LOTHAR BECKER: Das Gebot der Stunde weist uns den Weg in Richtung Leisure Travel. Viele Menschen machen jetzt im eigenen Land Urlaub und meiden Auslandsreisen. Für sie haben wir in Zusammenarbeit mit unserem Schwesterhotel „Nägler’s“ im Rheingau tolle Arrangements entwickelt, zum Beispiel für Wanderer und für Fahrradfahrer. Das kommt gut an, denn so kommt der Feriengast in den Genuss von zwei individuell geführten Häuser und fantastischen Landschaftseindrücken. Bei uns im Atrium Hotel haben wir das Raum- und Gastro-Angebot an die neue Situation angepasst. Zum Glück haben wir ja viel Platz, was auch Tagungsveranstalter zu schätzen wissen. Unsere großen Außen- und Gartenflächen sind jetzt ein Segen für alle. Denn wie sagt man so schön: Platz ist der neue Luxus. 

Welche Erfahrungen ziehen Sie aus den Monaten des Höhepunkts der Coronakrise?

LOTHAR BECKER: Die in der Corona-Schließungszeit getroffenen Maßnahmen und ihre Fortführung müssen für die Mitarbeiter plausibel, nachvollziehbar und umsetzbar sein.  So kann die Identifikation mit dem Unternehmen, für das man tätig ist, auch in schweren Zeiten fortgeschrieben werden. Corona schweißt zusammen und kann auch dazu beitragen, neue Kräfte und Ideen zu entwickeln. Und auch ganz wichtig: Eine direkte und stark ausgeprägte Kundennähe ist für den Aufschwung unerlässlich. Daran glauben wir und danach handeln wir. Der Mensch macht den Unterschied.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“