Einander zugewandt wie eh und je sind Charlotte und Horst Jaster auch nach Vollendung des 65. Ehejahrs. Foto: Helene Braun

FINTHEN – Man sieht es nicht nur an der Körperhaltung, wenn die beiden nebeneinander sitzen, den Blicken, wenn sie miteinander sprechen, auch nach 65 Jahren Ehe sind sie einander zugewandt. Und wenn Horst Jaster, heute 95 Jahre alt, seinen Arm lässig um die 93-jährige Charlotte schlingt, sieht es fast so aus wie auf dem Foto, als sie sich kennenlernten. Gefeiert wird die Eiserne Hochzeit im Garten, den Horst Jaster in eine blühende Oase verwandelt hat. Dass beide in Kreuzberg geboren sind, hat nichts mit ihrer ersten Begegnung auf einem Maskenball zu tun, sie stammt aus Kreuzberg in Oberschlesien und er aus Berlin-Kreuzberg. Doch wertet das Paar die Namensgleichheit gerne als Zeichen. 

Als Ortsvorsteher Manfred Mahle gratuliert und die Glückwünsche von OB Michael Ebling überbringt, ist gerade das Ehegelöbnis gesprochen, das das Paar vor Gott und Pfarrer Harald Wilhelm nach 65 Jahren noch einmal wiederholen wollte. Fast hätte es ja gar nicht geklappt. Horst wollte gar nicht zum „Schrägen Zinnober“, wie die karnevalistische Veranstaltung in Berlin hieß, entschied sich aber gegen Mitternacht doch noch anders. Zum Glück, eine gemeinsam geschälte Apfelsine und ein ebenso gemeinsamer Treppensturz brachten sie einander näher. Sie stellten fest, dass sie nur fünf Minuten voneinander entfernt wohnten.

Die Zeit nach dem Krieg ließ das Paar mit schweren Einbußen und schlimmen Erlebnissen zurück. Charlotte musste 1945 aus ihrer Heimatstadt Kreuzburg fliehen. In Allstedt/Helme arbeitete sie in einem Krankenhaus und holte sich dort nach wenigen Tagen eine toxische Diphtherie und wurde für fünf Monate pflegebedürftig. Bald folgte Typhus und ihre Schwester holte sie nach Berlin, wo sie dann in Firmen im Osten und Westen der Stadt als Sekretärin arbeitete. 

Derweil wurde Horst 1943 mit Notabitur zum Militär einberufen. Um dem Einzug zur SS zu entgehen, hatte er sich freiwillig als Reserveoffizier bei der schweren Artillerie in Küstrin beworben. Wie Charlotte kam er 1947 wieder nach Berlin zurück. Hier studierte er Geodäsie. In Westdeutschland in Lemgo/Lippe absolvierte er seine Referendarzeit und das 2. Staatsexamen und entschied sich danach für einen Posten bei er Bundeswehr im Militärgeographischen Dienst. Häufige Versetzungen führten das Paar quer durch Deutschland und zuletzt nach Mainz. 1961 wurde Sohn Klaus geboren.

Im Ruhestand konnten sich Horst und Charlotte endlich auch ihren Hobbys widmen, reisten viel im Campingbus und Horst machte bis ins hohe Alter noch jedes Wochenende einen 10- oder 20 Kilometer-Waldlauf, reduzierte auf Walking und schafft noch heute seinen einstündigen Spaziergang am Tag.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.