Zurzeit schreibt Willi Steinbrech seine Erinnerungen nieder. Foto: Helene Braun

LAUBENHEIM – Der Humor ist ihm in die Wiege gelegt, die Sprache ist seine Heimat und das rote Sakko sein Markenzeichen. Seit Jahrzehnten ist Willi Steinbrech fester Bestandteil der Meenzer Fassenacht, die Ehrungen sind ungezählt und die Erinnerungen reich. Am heutigen Samstag, 27. Juni, wird das Urgestein 92 Jahre alt. Die Lokale Zeitung gratuliert herzlich.

Willi Steinbrech liebt das Delikate, das Feine, das auf der Zunge zergeht. Berühmt ist er für seine Wortspielereien. Schwindelerregend wirkt es, wenn er die Worte in die Luft wirft, sie durcheinander wirbelt und sie sicher wieder auffängt. Was wie locker aus dem Ärmel geschüttelt klingt, ist natürlich in Wahrheit harte Arbeit. „In dem Metier bist du fast den ganzen Tag beschäftigt“, bekennt Willi Steinbrech in seinem Haus am Ried in Laubenheim. Auch die Urlaube mit Lotte, seiner Frau, nutzte er zum Dichten. Sie nahm ihm das niemals übel. Seit sie vor einem Jahr verstarb, hält Willi Steinbrech seine Erinnerungen fest in Geschichten und Anekdoten, vielleicht wird mal ein Buch daraus.

Bei Willi Steinbrech findet man die höchste Auszeichnung des MCV, den großen Bajazz mit der Laterne, von der Stadt die Gutenberg-Statuette und den Mainzer Pfennig, einen Leierkasten als Orden, seine beiden Bücher, Plakate, Orden, Urkunden, Zeitungsausschnitte, Narrenkappen. Und das rote Jackett, das ihm inder Erstausführung ein scheidender Hofsänger schenkte, war ihm viel zu groß. „In meiner ersten Kampagne habe ich die Jacke als Mantel getragen, eine rote Nase wollte ich nicht.“ Beim CCW brachte er es zum Vizepräsidenten, trat bei anderen Vereinen auf, wandte sich dem MCV zu, gab Gastspiele beim KCK und vielen weiteren Korporationen und Vereinen. Bis heute ist Willi Steinbrech in der Fünften Jahreszeit in der Bütt zu finden. „Ich konnte nichts dagegen machen“, beschreibt er seine Berufung. Und: „Kleine Verse, das ist es, wo für ich lebe.“ In Kombination mit dem angeborenen Mutterwitz zeigte sich das Konzept von Erfolg gekrönt.

Alles begann in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als er mit Kumpels die Stammtischfassenacht in der Gaststätte Main-Eck in der Neustadt ins Lebenrief. 1969 Im Eröffnungsjahr der Rheingoldhalle hielt er den Schlussvortrag und schaffte so den Sprung vom Stammtisch ins Fernsehen. Nach Ausbildungen bei Werner & Mertz, damals noch Erdal, und bei den Stadtwerken absolvierte er eine Lehre als kaufmännischer Angestellter. Der weitere Berufsweg führte über die MAN zur Bausparkasse, wo er blieb. Dass er schreiben konnte, hatte man bei Erdal gleich gemerkt und so wurde der junge Willi als Lehrling bereits der Verfasser der Laudatio zum Firmenjubiläum.

Die Standuhr von Willi Steinbrech: Zwää Mol is mit lautem Knalle, unser Standuhr umgefalle, die dann ohne jeden Piep, als sie umfiel stehen blieb. Und wenn die erst mol fällt, dann steht se. Bis se wieder steht, dann geht se, weil eine Standuhr immer dann, wenn se steht, aach gehe kann und wenn se umfällt, stehe bleibt, weil dann die Feder nit mehr treibt, wodurch nadierlich bei dem Ding dann aach nimmer der Ginggong ging, bei dem ja doch schon wochelang der Ging ging, aber nicht der Gong. Und dass ja doch der Ging bloß geht, wenn se läuft und wieder steht, beziehungsweise, wenn se steht, sodass se laufe kann. Denn eines weiß ich ganz konkret: Am beste läuft se, wenn se steht.“

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.