Der Kabarettist, Sänger und und Entertainer Lars Reichow. Foto: Mario Andreya

MAINZ – Von den Verordnungen der Coronakrise sind auch die Künstler betroffen. Zu ihnen zählt Lars Reichow. Wir sprachen mit dem 56 Jahre alten Kabarettisten, Sänger und und Entertainer über Folgen und Auswirkungen der aktuellen Krise.

Herr Reichow, wie erleben Sie die Coronakrise als Künstler?

LARS REICHOW: Ganz unterschiedlich: Bei herrlichem Wetter zuhause zu sein, ist keine Qual, aber keinen einzigen Auftritt zu haben vor Publikum, kein Geld zu verdienen, das ist nicht nur ungewohnt, sondern auf Dauer auch existenzgefährdend. Ich bedanke mich daher beim SWR und anderen Anstalten für die zusätzlichen Gelegenheiten, die sich für mich im Radio, im Internet und im Fernsehen ergeben haben. Ohne den SWR, Auftritte im Netz und im Autokino sähe es viel schlechter aus.

Stehen Sie mit Kollegen in Kontakt? Tauschen Sie sich aus, wie man am besten die Krise durchsteht?

LARS REICHOW: Ja, aber die Rechnung ist ganz einfach: Wenn man finanzielle Reserven hat, dann braucht man sie auf. Wenn man keine hat, muss man versuchen, neue Ideen zu entwickeln, um Geld zu verdienen, beispielsweise mit neuen Formaten. Oder man holt sich einen Kredit und schnallt den Gürtel enger. 

Wie erleben Sie die Coronakrise als Privatperson?

LARS REICHOW: Sehr intensiv, eigentlich auch sehr schön. Einige unserer Kinder kamen aus ihren Studienorten und waren wieder einmal für ein paar Tage oder länger zuhause. Wir haben viel diskutiert, gegessen und viel zusammen unternommen. Das ist selten und schön. Mit Freunden haben wir uns ab und zu in kleinem Kreis getroffen. Aber nur draußen und mit Abstand. Das Wetter hat uns allen sehr dabei geholfen.

Was vermissen Sie in diesen Zeiten am meisten?

LARS REICHOW: Es gibt keinen Ersatz für die direkte Begegnung zwischen Menschen. Ich vermisse die Geräusche eines Publikums, das Brummeln, das Husten, das Lachen und den einsetzenden Applaus, wenn wir uns einig sind. Ein wunderbares Gefühl, das hoffentlich bald wieder möglich sein wird.

Was war das absurdeste, was Sie mit Corona erlebt haben?

LARS REICHOW: Mir ist aufgefallen, wie verwöhnt und wie dekadent wir doch in den friedlichen und wirtschaftlich gesunden Zeiten geworden sind. Es gab tatsächlich Leute, die nur an ihren Flug auf die Urlaubsinsel oder den Ausfall von Freizeit-Beschäftigungen gedacht haben. Ich bin erschrocken, wie furchtbar sich manche Politiker verhalten haben, was für eine jämmerliche Figur der US-Präsident nicht nur in dieser Krise abgibt. Mit unserer Kanzlerin war ich sehr zufrieden.

Lars Reichow: „Ich bin über manche Politiker erschrocken.“ Foto: Mario Andreya

Wie weit darf man als Kabarettist gehen, wenn es um Corona und die Auswirkungen geht?

LARS REICHOW: Wir dürfen alles, aber wir sollten immer die Wirkung unserer Worte und Aktionen bedenken. Manchmal muss man die volle Verantwortung dafür tragen, und dann werden die mutigen Bühnenkünstler plötzlich blass und ängstlich. Humor in Krisenzeiten ist natürlich möglich und erwünscht, aber sollte immer durchdacht sein. Ich habe viele, sehr komische Sachen von vielen kreativen Leuten gesehen und dafür gibt es ja Humoristen: Wir machen die schweren Dinge des Alltags etwas leichter.

Abgesehen von den notwendigen Lockerungen: Können Sie sich vorstellen, dass größere Veranstaltungen in einem Saal mit eng beieinander sitzendem Publikum in absehbarer Zeit wieder möglich sind?

LARS REICHOW: Selbstverständlich. Es ist nur eine Frage der Zeit. So wie das Autokino eine hygienische Übergangslösung war, wird es im Theater eine verringerte Bestuhlung geben, die die Distanz ermöglicht. Aber eines Abends wird das Publikum wieder schunkeln, klatschen und eng nebeneinander sitzen. Ich hoffe, schon an Weihnachten! Das hängt nicht zuletzt von uns selbst ab.

Glauben Sie, dass die Gesellschaft gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird?

LARS REICHOW: Naja, wir werden gestärkt sein, wenn wir das wollen. Ich bin dafür, dass wir unsere Lebensweise grundsätzlich ändern und jetzt den Klimaschutz an erste Stelle setzen. Wenn das eine friedliche und erfolgreiche Bewegung wird, dann wäre ich sehr glücklich.

Wie lautet eine persönliche Botschaft von Lars Reichow an die Leser dieses Interviews?

LARS REICHOW: Bleiben Sie hoffnungsvoll, genießen Sie den Sommer – auch ohne Urlaubsziel – und setzen Sie sich Ziele. Man lebt nur einmal!

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“