De m 90 - j ährigen Max Brückner (2.v.r.) g ratulierten unter anderem ( v.l. ) Claudia Kehrein, Ralf Kehrein und Pfarrer Christian Nagel. Foto: Helene Braun

WEISENAU – Ehrungen und die Aufmerksamkeit derer, die ihm viel zu danken haben, sind nicht das, was für Max Brückner zählt. Gezählt hat immer sein Engagement in Politik, Vereinen und der Ortshistorie. Der, der stets nach Wissen strebte, unermüdlich forschte und dabei so bescheiden und bodenständig blieb, ist jetzt 90 Jahre alt geworden. Ihre Reverenz erwiesen Freunde und Weggefährten im Garten von Theo Müller, ebenfalls kein Unbekannter in Weisenau.

 

Ortsvorsteher Ralf Kehrein mit Ehefrau Claudia überbrachte die Glückwünsche von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Michael Ebling. Erst im vorigen Jahr hatte Kehrein als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Max Brückner für 65 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Brückner lenkte von 1961 bis 1994 das politische Geschehen im Stadtteil als Bürgermeister und Ortsvorsteher. Bei jeder Wahl holte er die absolute Mehrheit und war in fast allen Ausschüssen der Stadt vertreten, ab 1984 auch im Stadtrat. An der Schaffung sozialen Wohnraums für 3500 Menschen war er maßgeblich beteiligt.

Seit seinem 14. Lebensjahr war Max Brückner in der Stadtverwaltung beschäftigt. Zur Besatzungszeit heuerte man ihn erst als Dolmetscher an. Ein Jahr später drückte ihm ein alter Lehrer ein Buch über die Geschichte Rheinhessens in die Hand, und von da an war nicht nur die berufliche Laufbahn vorgegeben, sondern auch sein Faible für die Historie. Den Heimatverbundenen interessierte da vor allem sein Stadtteil am Rhein. Was die Vereine betrifft, trat so ziemlich jeder in Weisenau, der ein Jubiläum zu feiern hatte, an Brückner heran. Liebevoll und in vielen Stunden trug er zusammen, was die Vereinsgeschicke im ehemaligen Fischer- und Schifferdorf lenkte. Als seinen Mentor nennt er den früheren Oberbürgermeister Franz Stein. Der katholische Pfarrer Christian Nagel freute sich nicht nur persönlich über das Treffen mit dem Ortschronisten, er überbrachte auch die Glückwünsche von Bischof Peter Kohlgraf. Denn Brückners Name ist auch eng verbunden mit der Kirche Mariä Himmelfahrt. Initiiert hat er hier die Beschaffung der fünften Glocke im Jahre 2000, das von Alois Plum geschaffene Altarfenster im Jahre 2002 und die Wiederinstallation der vier Kirchturmuhren im Jahre 2014. Und manchmal früh morgens in der Kirche kann man Max Brückner dort sitzen sehen, denn dann verleiht die Sonne durch das „Auferstehungsfenster“ dem Raum ein besonderes Licht. Als Referent in vielen kirchlichen und historischen Vortragsveranstaltungen hat er seine Erkenntnisse in zahlreichen Ordnern zusammengetragen, die er längst in Metern misst.

Bei den Recherchen zur Vergangenheit stieß Brückner auch auf die Geschichte der Juden in Weisenau, insbesondere beschäftigte er sich hier mit dem tragischen Schicksal des in Auschwitz ermordeten Mädchens Chana Kahn. 2016 erschien dazu die Dokumentation „Spuren unter Asche“, an der Brückner wesentlich mitgearbeitet hat. „Ein paar Projekte“ hat der umtriebige, stets neugierig gebliebene Mann noch am Laufen. „Ich muss ja die nächsten zehn Jahre noch was zu tun haben“, sagte erlachend beim Empfang der Gäste.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.