Nur auf den ersten Blick eine heile Welt. Die Gastronomie muss für die Bewirtung ihrer Gäste jetzt einen hohen Aufwand betreiben. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Seit einigen Tagen haben die gastronomischen Einrichtungen auch in Mainz wieder geöffnet. Doch bis auf den Geschmack des Schoppens oder des Lieblingsbiers ist kaum noch etwas wie vor der Krise. Einfach in die Kneipe reingehen und nach einem freien Platz (zur Not wird zusammengerückt) Ausschau halten – das war einmal. Die Gastronomen haben einen hohen bürokratischen Aufwand zu bewältigen, dafür dass sie nach Wochen der Zwangsschließung endlich wieder Gäste bewirten dürfen.

Zwangsweise gelichtete Reihen auch an der Mainzer Strandbar. Foto: Ralph Keim

Der Besuch der Kneipe fängt beispielsweise damit an, dass man sich – ähnlich wie in den USA – jetzt platzieren lassen muss. Vorher muss man seine persönlichen Daten mit kompletter Anschrift und Telefonnummer in eine Liste eintragen. Ein spontaner Kneipenbesuch am Abend oder nach Feierabend könnte mit dem Abweisen an der Tür enden, denn das normalerweise zur Verfügung stehende Platzkontingent ist reduziert. Viele Gaststätten und besonders die Restaurants empfehlen dringend eine Platzreservierung. Ebenfalls reduziert ist bei einigen Anlaufstellen des Genusses und der Geselligkeit die Speisekarte. Keinesfalls reduziert: die Preise.

Und auch in einem anderen Bereich gibt es Einschränkungen: Trennscheiben aus Plexiglas sorgen für Schutz, aber auch für Distanz – an der Theke und im Gastbereich. Bei den Gästen überwog an den ersten Tagen seit dem gastronomischen Neustart freilich die Freude, zumal auch das Wetter mitspielte. Doch selbst am Samstag standen nicht wenige vor verschlossenen Türen. Denn die mit der Bewirtung verbundenen Einschränkungen können und wollen besonders die Wirte der klassischen Eckkneipe nicht mittragen. „Ich dürfte draußen nur elf Gäste bewirten, drinnen nur zwölf“, begründete eine Wirtin, die ihre Kneipe samt kleiner Terrasse erst einmal geschlossen hält.

„Ich bin noch man durchkalkulieren, ob es sich überhaupt lohnt, selbst wenn ich ständig 23 Gäste hätte. Im Winter lohnt es sich auf keinen Fall.“ Hohe Wellen geschlagen hat in diesem Zusammenhang die Befürchtung, die Kultkneipe „Zur Andau“ könnte schließen. Zu den spontanen Unterstützern zählte sogar Oberbürgermeister Michael Ebling. Derzeit hat die„Andau“ geöffnet, wenn auch nicht mehr zu den Uhrzeiten wie vor der Krise. Gemeinsames Fußballgucken, wofür die „Andau“ berühmt war, wird es auf absehbare Zeit allerdings nicht mehr geben.

Was nicht wenigen Gästen überhaupt nicht schmeckt: Das Hinterlassen der persönlichen Daten erzeugt zumindest ein mulmiges Gefühl. „Wenn bei einer Infektion auch mein Name irgendwo auftaucht, muss ich in Quarantäne, obwohl der betreffende Gast zehn oder mehr Meter entfernt saß“, malte eine Frau den „Worstcase“.

Teilen
Vorheriger ArtikelZweites Mainzer Autokino eröffnet
Nächster ArtikelMotorradfahrer bei Überholmanöver verletzt
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“