Das eiserne Paar (Mitte) traf sich im ganz kleinen Kreis mit Ortsvorsteherin Christin Sauer (Grüne) und Tochter Anette Lyssy (re.). Foto: Helene Braun

HARTENBERG-MÜNCHFELD – Ein junges Mädchen mit einer Karnevalsmaske war es, das die Aufmerksamkeit des jungen Joachim Lyssy beim Tanz an Fastnachtsdienstag auf dem Lumpenball auf sich zog. Als sie ihn dann zum Tanzen aufforderte, war der Abend gerettet. Sie wollte vor der Demaskierung fliehen, doch er musste unbedingt wissen, wer sich hinter der Maske verbarg.Um Mitternacht offenbarte sich dann noch ein hübsches Gesicht dazu. Jetzt sind Joachim und Ingrid Lyssy seit 65 Jahren verheiratet, der junge Friseur aus Fritzlar in Nordhessen und Ingrid, die die Haushaltsschule besucht hatte. Seit fast 60 Jahren leben sie in Mainz im Münchfeld. In Nauheim lernten sie sich kennen, zogen nach Ingolstadt und Groß-Gerau und dann nach Mainz. Geboren wurde Ingrid in Mainz in der Boppstraße, ihr Vater fiel im Krieg mit 29 Jahren,was sie nach Nauheim zum Großvater führte.

Zwei Söhne und eine Tochter des Ehepaars Lyssy kamen in Groß-Gerau und Ingolstadt zur Welt. Dass der älteste Sohn im letzten Jahr verstorben ist, hat das Ehepaar nicht überwunden. Doch im Rückblick und trotz mancher überstandener Krankheit denken die heute 84-Jährige und der 86-jährige Ehemann gerne an ihre gemeinsamen Unternehmungen zurück. Sie reisten oftmals mit dem Auto nach Italien, fuhren viel mit dem Rad. „Wir haben schöne Zeiten erlebt und gerne getanzt“, erzählen die beiden abwechselnd. Ortsvorsteherin Christin Sauer war bei ihrem ersten Jubilarenbesuch seit Beginn der Corona-Pandemie sehr erstaunt, wie jung sich beide gehalten haben. Man könnte sie gut 15 Jahre jünger schätzen.

Die ersten Jahre arbeitete Ingrid in einem Geschäftshaushalt für 20 Mark im Monat, dann in Nauheim in der Musikindustrie. Später kümmerte sie sich um Haushalt und Kinder. Joachim blieb nicht Friseur. Er verpflichtete sich für 15 Jahre bei der Bundeswehr, wechselte dann zum BKA in Wiesbaden. Er erzählte: „Wir sind zwei Feurige. Sie ist Fisch und ich bin Widder. Wenn die beiden Sternzeichen aufeinander treffen, dann funkt ́s.“

Der Pandemie wegen war nur Tochter Anette von der Familie anwesend, aber Joachim Lyssy versicherte: „Die Feier holen wir nach mit Kindern, Enkeln und Urenkeln.“ Ingrids Traum von einer Kutschfahrt zu einem Jubiläum – bei der Hochzeit war das nicht möglich – blieb allerdings bislang unerfüllt. Vielleicht in fünf Jahren bei der Gnadenhochzeit soll der Wunsch in Erfüllung gehen.

Teilen
Vorheriger ArtikelSpatzenfamilie fühlt sich wohl in Gonsenheim
Nächster ArtikelTaubertsberg-Freibad könnte Ende Juni öffnen
Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.