Herausgeber David Weiß. Foto: red

Herr Weiß, wie bewerten Sie als Unternehmer die Auswirkungen der Coronakrise auf die Wirtschaft?

David Weiß: Im Vergleich zu anderen Krisen ist bei der Coronakrise fast jedes Unternehmen direkt oder indirekt betroffen. Allein wenn wir in unsere eigenen Unternehmensgeschichte schauen, stellen wir fest, dass uns die Finanzkrise 2008/2009 lokal kaum betroffen hat. Dieses Mal ist es anders. Das hängt mit den erheblichen Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zusammen. Zum heutigen Zeitpunkt lassen sich die Auswirkungen dieser Krise kaum bewerten. Wir müssen vielmehr in Szenarien denken und verschiedene Modelle für verschiedene Szenarien vorbereiten. Dabei sollten wir die Krise unbedingt auch als Chance sehen.

Wie sieht es mit der lokalen Wirtschaft aus?

David Weiß: Wir können Betriebe beobachten, die relativ gut mit der Krise umgehen können, da sie flexibel über mehrere Kanäle mit ihren Kunden in Kontakt stehen. Sie waren in der Lage, trotz Ladenschließungen weiterhin mit ihren Kunden zu kommunizieren und diese zu bedienen. An dieser Stelle haben viele Unternehmen noch Aufholbedarf und wir sollten diese Zeit auch dazunutzen, hier Lücken zu schließen.

Wo liegen die Stärken einer kostenlosen lokalen Zeitung – gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten?

David Weiß: Da wir unsere Zeitungen kostenfrei in die Haushalte liefern, können wir konstante Reichweiten und Auflagen gewährleisten. Wir brauchen uns nicht um Abonnement-Rückgänge zu sorgen. Zudem bin ich überzeugt, dass die lokale Nachricht durch diese Krise wieder mal an Bedeutung gewinnen wird. Wir werden doch gerade dazu angehalten, wieder mehr auf unser Umfeld zu achten und dort zu wirken, wo wir leben. Sicherlich wird es keine Abkehr von der Globalisierung geben, was gerade gesundheits- und wirtschaftspolitisch nicht angezeigt wäre. Aber wir werden Globalisierung in Teilen neu definieren müssen. Und gleichzeitig wird das Bewusstsein für die Dinge geschärft, die direkt vor unserer Haustür passieren und für die Produkte, die von den Menschen in unserer Region hergestellt werden.

Die Lokale Zeitung unterstützt in dieser und in der nächsten Ausgabe die lokalen Betriebe mit kostenlosen PR-Beiträgen. Wie war die Resonanz darauf?

David Weiß: Die Resonanz war, wie zu erwarten, sehr gut. In dieser Krise sehen wir uns als starken Partner unserer Werbekunden. Wir entwickeln Möglichkeiten und Angebote, unsere Kunden durch die aktuelle Krise zu begleiten. Denn nur wenn es unseren Kunden gelingen wird,die Krise zu meistern, können wir in Zukunft gemeinsam erfolgreich sein. So bieten wir seit der Krise ausgewählte Medialeistungen kostenfrei an und haben bereits Leistungen im Wert von rund 40.000 Euro kostenfrei unseren Kunden, lokalen Unternehmen, zur Verfügung gestellt.

Was ist noch geplant?

David Weiß: In einer weiteren Initiative werden wir lokale Unternehmen kostenfrei dabei unterstützen, ihre Webseite zu aktualisieren, da wir festgestellt haben, dass die dortigen Inhalte oft nicht den derzeit dynamisch veränderten Angeboten entsprechen.

Welche Auswirkungen hat die Krise direkt auf die Lokale Zeitung?

David Weiß: Trotz allem hat auch uns die Krise wirtschaftlich empfindlich getroffen. Wir mussten Kurzarbeit einführen und haben unsere Ausgaben neu organisiert und strukturiert, um Kosten zu konsolidieren. Hierbei war unser oberstes Ziel, jede Ausgabe verlässlich und kontinuierlich herauszugeben. Auch redaktionell mussten wir uns erst einmal neu orientieren, da uns durch den Stillstand des gesellschaftlichen Zusammenlebens viele Themen und Anlässe unserer lokalen Berichterstattung weggebrochen waren. Doch konnten wir auch schnell feststellen, dass sich hier neue Impulse und Themen in unseren Orten entwickelt haben, über die wir berichten können. Dabei ist es unser Anspruch, den Blick auf die positiven gesellschaftlichen Entwicklungen zurichten und eben nicht negativen Sensationsjournalismus zu betreiben.

David Weiß: Wie wird Ihrer Meinung nach die Wirtschaft in einem Jahr dastehen?

David Weiß: Eines ist sicher: anders als heute! Diese Krise wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen. Einige Branchen werden vermutlich nicht wieder zu alter Stärke zurückkehren,siehe Luftfahrtbranche und Tourismus. Auch in der Autoindustrie kann ich mir weitreichende Folgen vorstellen, positive wie negative.

Und die Gesellschaft?

David Weiß: Gesellschaftlich wird sich sicherlich vieles verändern. Ich frage mich gerade dieser Tage, wenn ich in den Nachrichten die schrittweisen Öffnungen der Schulen sehe, wie wir als Menschen in Zukunft miteinander umgehen und uns begegnen. Was haben diese Abstandsregelungen für Folgen für die soziale Entwicklung unsere Kinder? Wann werden wir uns wieder nahe kommen können? Jetzt wo wir reflexartig zur Seite springen, wenn uns auf dem Gehweg eine andere Person entgegenkommt. Ich denke, dass wir gesellschaftlich eine große Herausforderung darin haben, wieder zu einer Normalität zurückzukehren. Doch vielleicht werden wir uns trotz aller Abstandsregelungen in einem Jahr nähergekommen sein.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“