Bei direktem Kontakt mit dem Probenmaterial trägt Christin Sauer neben Kittel und Handschuhen auch eine Schutzbrille und eine FFP2-Schutzmaske. Foto: Christin Sauer

HARTENBERG-MÜNCHFELD/INGELHEIM–HaMü-Ortsvorsteherin und Stadträtin Christin Sauer (Grüne) arbeitet in der Corona-Krise an vorderster Front im Kampf gegen das Virus. Denn die jüngste Mainzer Ortsvorsteherin (28) ist hauptberuflich als Technische Assistentin in der Molekularbiologie beim Ingelheimer Unternehmen Bioscientia tätig. Dabei ist sie mit der Auswertung der SARS-CoV-2-Tests beschäftigt. Wie sehr sich ihre tägliche Arbeitsbelastung erhöht hat, schildert sie im Gespräch mit der Lokalen Zeitung.

Umfassender Schutz ist extrem wichtig. Foto: Christin Sauer

Corona-Tests sind eine hochspezifische Testung durch das molekularbiologische Verfahren der Polymerasekettenreaktion (PCR), erläutert die Ortsvorsteherin. „Dabei wird eine oder mehrere für dieses Virus typische Region der viralen RNA erkannt, vervielfältigt und so nachgewiesen. Dadurch können selbst kleine Mengen des Virus, also auch leichtere oder frühere Infektionen, bestimmt werden.“ Als größter Standort von Bioscientia habe man in Ingelheim sehr früh damit begonnen, den Test einzuführen.  Christin Sauer: „Dadurch waren wir auf die plötzlich steigende Probenanzahl fachlich gut vorbereitet.“ Um das Infektionsrisiko unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu minimieren, wurden die Arbeitsschichten entzerrt. Die erste Schicht beginnt bereits um 6 Uhr, die letzte endet um 21.30 Uhr. Zu den gängigen Kitteln und Handschuhen ist bei Arbeiten mit direktem Kontakt mit dem Probenmaterial zusätzlich das Tragen einer Schutzbrille und einer FFP2-Schutzmaske verpflichtend, erläutert Sauer. Seit Kurzem seien nun auch Sonn-und Feiertagsdienste notwendig geworden, die es im Routinebetrieb vor Corona so nicht gegeben habe.

Wie viele Auswertungen werden bei Bioscientia vorgenommen? „Von anfänglich etwa 1000 Einsendungen pro Tag steigerte sich das Probenvolumen auf gut 2000“,berichtet die Ortsvorsteherin. Mit Abklingen der Influenza-Saison und anderer Atemwegsinfekte gebe es nun weniger symptomatische Patienten, sodass sich das Testvolumen in Ingelheim pro Tag inzwischen auf etwa 2000 Corona-Tests eingependelt habe.

Das Gerät, über das der Großteil der Analysen aktuell stattfindet, ist der Cobas 8800. Foto: Christin Sauer

Und wie lange dauert die Auswertung eines Corona-Tests? Die Dauer sei abhängig vom eingesendeten Material, etwa Abstrich oder Sputum, erläutert Sauer. „Am häufigsten erhalten wir trockene Abstrichtupfer, deren Vorbereitung für den Test etwa zehn Minuten Arbeitsaufwand mit sich bringt. Das Gerät, über das der Großteil der Analysen aktuell stattfindet, der Cobas 8800, benötigt für die komplexe Aufreinigung der viralen DNA sowie deren anschließenden Nachweis etwa 3,5 Stunden. In einem Durchlauf können 94 Proben plus eine Positiv-und Negativkontrolle analysiert werden. Das Gerät ermöglicht eine gestaffelte Bearbeitung, sodass etwa alle 30 Minuten weitere 94 Proben in der Bearbeitung gestartet werden können.“ Die anschließende Kontrolle und technische Freigabe der Analysenergebnisse dauere weitere 15 Minuten und werde vor Herausgabe an den Patienten durch einen Mediziner im Unternehmen validiert. In der Regel seien etwa vier Fachkräfte und fünf Hilfskräfte pro Schicht tätig.

Trotz ihrer Doppelbelastung dürfe die kommunalpolitische Arbeit dennoch nicht stillstehen, betont die Ortsvorsteherin. „Viele Menschen haben gerade große Sorgen um ihre Gesundheit, ihre berufliche Zukunft, ihre Familien. Hier ist Unterstützung dringend notwendig. Ich bin sehr froh und dankbar über die große Solidarität in HaMü und in ganz Mainz. Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich und auch die Stadt hat mit Mainz-hilft-sofort! einen wichtigen Schritt unternommen, um die Bürger zu entlasten. Die Mithilfe vieler Nachbarn aus ganz HaMü, der Ortsverwaltung und der Aktiven aus den Vereinen und Kirchen ermöglicht mir trotz hoher beruflicher Belastung, die Bewältigung der Krise auch im Ehrenamt als Ortsvorsteherin mitzugestalten. Dafür möchte ich danke sagen!“

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.