Aus den Gründerzeiten des Touristenclubs „Wanderlust“ Finthen im Jahre 1921. Foto: Touristen-Club „Wanderlust" 1920

FINTHEN – Neue Sportarten entstehen, Fitness wird groß geschrieben und gerade jetzt in der Corona-Krise scheint das Wandern das Einzige an Freizeitgestaltung, was überhaupt noch möglich ist. 100 Jahre hat die Gemeinschaft des Touristen-Clubs„Wanderlust“ 1920 e.V. zusammengehalten in Friedens-und Kriegszeiten und in steter Weiterentwicklung. In den ersten Jahren veranstalteten die acht Gründer eine Tanzmusik in Drais. Davon kauften sie Zupfinstrumente und riefen noch im ersten Jahr des Bestehens eine Musikabteilung ins Leben. Seit fast einem Vierteljahrhundert sitzt Werner Ägidius Schmitt dem Club vor. Rechnet man seine Vorfahren mit, hat auch er ein 100-jähriges Jubiläum zu feiern.

Werner Schmitt ist seit 1963 Mitglied im Verein, wo schon sein Vater Willi Schmitt Vorsitzender war. Zuvor füllte er die Ämter Wanderführer und Vorstandsmitglied aus.Seine Frau Irmgard ist ebenfalls schon 40 Jahre Mitglied. Und der Clou: In seinem Elternhaus, das die Gastwirtschaft „Touristenheim“ beherbergte, wurde der Touristen-Club „Wanderlust“ 1920 e.V. gegründet. „Unsere ganze Verwandtschaft war Mitglied im Verein und ist es heute noch, die Verstorbenen eingeschlossen“, gibt Werner Schmitt preis. Was er besonders bedauert und mit ihm der Vorstand und die mittlerweile 135 Mitglieder, ist, dass die geplanten Feierlichkeiten des aktuelle Kontaktverbotes wegen im Mai nicht stattfinden können. Noch ist unklar, wann die Feiern nachgeholt werden.

Die Gründer waren Jakob Weil, Friedel Becker, Thomas Reichert, Willi Weiter, Philipp Rathgeber, Nikolaus Schmitt, Philipp Herbert und Heinrich Veit und schon im ersten Jahr wuchs die Mitgliederzahl auf 26. Eine Flaute erlebte der Wanderclub nach dem Zweiten Weltkrieg, denn es galt, in wirtschaftlicher Notzeit für die eigenen Familien zu sorgen. Die Besatzungsmächte verboten jegliche Vereinstätigkeit. Erst 1950 gelang die Wiederbelebung und wieder wurde Jakob Weil zum Vorsitzenden gewählt. Nun trat der Verein wieder mit der Mandolinenabteilung in die Öffentlichkeit. Eine Nachwuchs-Spielergruppe und eine Akkordeon-Abteilung folgten, konnten sich aber nicht halten. Von vielen besucht und begehrt waren immer die Maskenbälle mit Konzert. Überhaupt steht der Verein bis heute aktiv im Gemeindeleben. Außer beiden Wanderungen findet man die Mitglieder etwa beim Adventsmarkt oder dem Finther Zug der Lebensfreude. 1962 schloss sich der Club als Ortsgruppe dem Gebietsverein Wander-& Lennebergverein „Rheingold“ Mainz e.V. an.

1969 wurde die Gastwirtschaft „Zum Touristenheim“ von Peter Ägidius und Anni Schmitt aus Altersgründen aufgegeben. Neues Vereinsheim wurde das „Turnerheim“.Es folgten Wanderungen, Omnibusfahrten und Schiffstouren, mit oder ohne den Lennebergverein, die jährliche Weihnachtsfeier sowie Grillabende. Als Highlights galten die Wanderurlaube mit Teilnahme an den Deutschen Wandertagen.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.