Joris Brauburger bei der Fahrradtour auf den 5.400 Meter hohen Berg Chacaltaya in Cordillera Real. Foto: privat

NIEDER-OLM/ZORNHEIM – Sie mussten in aller Eile gehen. Nur einige Tage Zeit blieben Fabian, Rebecca und Joris, um ihre Koffer zu packen, sich zu verabschieden, und nach Deutschland zurückzukehren. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus durchkreuzte von jetzt auf gleich das soziale Engagement der drei Jugendlichen aus der Verbandsgemeinde Nieder-Olm, die sie seit Sommer 2019 in Südamerika leisteten.

„Es war ein Schock“, bekennt Rebecca Welsch aus Zornheim. Ihr Sozialer Dienst für Frieden und Versöhnung führte sie nach Rondonópolis in Brasilien. Sie unterstütze die Fachkräfte an zwei Jugendzentren. „Ich setzte auch eigene Projekte um.“ Als sie die Nachricht von der Rückreise las, konnte sie den Inhalt nicht nachvollziehen. „Es gab keine Infizierten vor Ort.“ Außerdem lief nach einem halben Jahr alles bestens, auch die Verständigung. Die Arbeit mit den Kindern im Alter von sieben bis 14 Jahren machte ihr ohnehin Spaß. Im Anschluss an einen Urlaub und dem Umzug in ein Appartement wollte, sie gerade wieder „richtig loslegen“. „Innerlich war ich mit der Ausreise gar nicht einverstanden.“

Die gleiche Nachricht erreichte Fabian Jestaedt am Rande von Rio de Janeiro. Der Nieder-Olmer Volontär wirkte bei den Projekten von „Casa do Menor“ in Miguel Couto. Das Haus einer brasilianischen Pfarrgemeinde kümmert sich vielseitig um Straßenkinder und -jugendliche aus den Slumgürteln der Millionenstadt. „Es war sehr heftig für mich, innerhalb von nur zwei Tagen Abschied zu nehmen. Es ist schade, das Engagement auf diese Art zu beenden.“ Auch er beherrschte Portugiesisch immer besser, schnupperte in alle Bereiche rein. Mit der Gastfamilie habe er sich super verstanden. „Jetzt mache ich mir große Sorgen um die Kinder und die Menschen, die ich kenne.“

Ähnlich geht es in diesen Tagen Joris Brauburger aus Nieder-Olm, der am 20. März dem Freiwilligen Lernjahr in El Alto (Bolivien) Adieu sagen musste. Er arbeitete beim Kultur- und Theaterprojekt „Compa“. „Im Haus, das aus recycelten Materialien gebaut war, herrschte ein cooler Spirit“, sagt Brauburger. Nach über einem halben Jahr vor Ort fühlte er sich in seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie bei den neuen Freunden sehr wohl. Der junge Deutsche spielte in einer Band mit. „Wir bereiteten uns auf Konzerte vor“. Mitten im Urlaub, den er eingeschoben habe, „weil mich ein Freund besuchte“, empfahl ihm die Organisation, sich nahe der Hauptstadt aufzuhalten, dann wurde die Ausreise obligatorisch. Ein brutaler Schnitt „Ich habe sehr gelitten. Alles war so surreal.“ Dabei wollte Brauburger den Aufenthalt in El Alto bis Dezember verlängern.

Rebecca Welsch bei einer Malaktion mit bedürftigen Kindern in Rondonopolis/Brasilien. Foto: privat

Fest steht: Ein Teil der drei Herzen ist in der Fremde geblieben. Im Nachhinein, erklären die Freiwilligen, seien sie aber auch froh, zu Hause zu sein. An die Lage der Menschen, die sie auf der anderen Hälfte der Weltkugel kennen und lieben lernten, denken sie dennoch fast unaufhörlich. „Mit ihnen im digitalen Kontakt zu bleiben, hilft uns die Situation zu verarbeiten“, sagen alle drei.

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