Für HaMü-Ortsvorsteherin Christin Sauer, die beruflich in der Diagnostik arbeitet, ist es eine besonders stressige Zeit. Archivfoto: Oliver Gehrig

Die Lokale: Guten Tag Frau Sauer, wie erleben Sie die Corona-Krise?

Christin Sauer: Für mich persönlich ist mit Beginn der Corona-Krise eine extrem stressige und arbeitsintensive Zeit angebrochen, da ich beruflich in der Diagnostik tätig bin. Ich arbeite bei Bioscientia in Ingelheim in der Abteilung für Molekularbiologie, in der wir täglich Patientenproben zur Testung auf das neuartige Virus SARS-CoV2 in enormem Umfang erhalten. Neben dieser Menge muss natürlich auch unsere Routine-Diagnostik weiterlaufen, die in der Saison der Atemwegsinfekte ohnehin eine der intensiveren Phasen durchläuft. Die vielen Überstunden verkleinern leider den Zeitrahmen für das politische Ehrenamt. Umso glücklicher bin ich über die Unterstützung aus der Ortsverwaltung HaMü und die Engagierten aus dem Stadtteil, die immer und gerade jetzt in der Krise eine sehr wertvolle Stütze für das Leben in HaMü sind.

Was ist jetzt wichtig?

Sauer: Besonders wichtig finde ich es, dass wir gerade solidarisch und verständnisvoll miteinander umgehen. Nie waren die Bedarfe in der Gesellschaft so unterschiedlich. Neben denjenigen, die existenzielle Ängste haben, weil ihr Berufsleben still steht, gibt es viele, die an ihrer Belastungsgrenze arbeiten, um die neue Herausforderung zu stemmen. Dabei ist das Kontaktverbot für jede und jeden von uns eine zusätzliche, aber leider dringend notwendige Belastung. Gerade deshalb dürfen wir aber nicht aufhören, miteinander zu sprechen und füreinander da zu sein. Ob telefonisch, online oder per Post: Wichtig ist, dass wir miteinander in Kontakt bleiben und uns in dieser extremen Zeit umeinander kümmern.

Welche Hilfsprojekte sind in HaMü angelaufen?

Sauer: In HaMü nutzen wir unter anderem eine WhatsApp-Gruppe, in der Unterstützung beispielsweise bei Besorgungen oder der Kinderbetreuung organisiert wird. Auch Seelsorge wird angeboten und stadtteilrelevante Informationen werden ausgetauscht. Darüber hinaus bietet die evangelische Auferstehungsgemeinde Alltagshilfen und stellt sogar Gottesdienste für Erwachsene oder Kinder als Stream bereit.

Die Internet-Plattform nebenan.de möchte ich ebenfalls empfehlen. Hier bestehen zahlreiche Möglichkeiten, sich direkt mit der Nachbarschaft zu vernetzen. Und selbstverständlich können Hilfesuchende sich telefonisch auch jederzeit an die Ortsverwaltung wenden und ihre Kontaktdaten hinterlassen. Sehr gerne vermitteln wir Unterstützer*innen.

Das Interview führte Oliver Gehrig.

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.