Die kulturellen Angebote des Stadtteiltreffs ruhen derzeit. Wichtiger denn je sind die sozialen Angebote. Archivfoto: Ralph Keim

GONSENHEIM – Von der Coronakrise ist auch der Stadtteiltreff betroffen. Als wichtige Anlaufstelle für Beratungen, Gesprächskreise und kulturelle Veranstaltungen trifft die aktuelle Schließung zahlreiche Bürger. Doch gerade jetzt kommen den sozialen Angeboten eine besonders wichtige Bedeutung zu.

„Wir haben uns zuerst mit der Frage beschäftigt, was die Menschen in einer solchen Zeit unbedingt brauchen und wobei wir helfen können. Dazu haben wir als erstes mal festgelegt, dass wir weiter zu den gewohnten Zeiten zu erreichen sind, aber eben nur telefonisch“, erläutert Stephan Hesping vom Team der hauptamtlichen Mitarbeiter. Montags bis Donnerstags von 14 bis17 Uhr ist dies der Fall.

„Es besteht weiter Beratungsbedarf, aber oft können wir auch telefonisch helfen, für die Leute was schreiben, was wir ihnen dann per Mail schicken. Den Telefondienst haben wir mit zusätzlichen Kräften besetzt, damit möglichst immer jemand direkt ans Telefon geht.“ Außerdem organisiert das Team für Hilfsdienste, Einkäufe und Besorgungen. „Es stehen schon 30 Leute auf unseren Helferlisten und wir sind koordiniert mit anderen Stellen, die ehrenamtliche Helfer und Helferinnen haben.“ Schwieriger sei es, die älteren und gefährdeten Menschen dazu zu bewegen, sich auch helfen zu lassen. „Da muss man viel erklären, denn man will nicht zur Last fallen oder man ist vielleicht auch froh, mal raus zu kommen.“

Für die Brotkorb-Kunden versuche das Team, weiterhin Lebensmittel auszugeben, wenn auch nur als „Notausgabe“. Die Waren sind vorgepackt, man kann nicht selbst aussuchen. „Diese Situation ist für uns alle neu und löst bei uns allen Ängste und Verunsicherung aus. Für diejenigen, die helfen können, ist Corona weniger gruselig, weil man sich selbst als wirksam erlebt“, beschreibt Stephan Hesping die Situation. „Für die Leute, die jetzt nur noch in ihrer Wohnung sitzen, ist es viel schlimmer. Deshalb sollten wir alle versuchen, möglichst viele Kontakte zu pflegen. Eine halbe Stunde telefonieren ist ein Segen, wenn man sonst niemanden hat.“

Dass der Stadtteiltreff eventuell vor einer existenziellen Krise stehen könnte, kann Stephan Hesping verneinen. „Soziale Projekte sind wichtiger denn je, man muss sich nur etwas umstellen in der Arbeitsweise. Wir können diese Krise nur gemeinsam überstehen.“ Momentan sind alle vollauf damit beschäftigt, welche Hilfen es jetzt geben muss. „Nicht jeder hat das Glück, ein Haus mit Garten zu haben. Viele sitzen auf engem Raum, sollen das Lernen der Kinder organisieren, haben vielleicht nur einen PC für die ganze Familie oder nicht mal den. Es gibt gerade viel zu tun.“

Und was kommt nach der Krise? „Ich würde mich über Erkenntnisse freuen, dass wir ökologisch und lokal handeln, dass wir Faschisten erkennen und dass keiner denen nachrennt, die die Gesellschaft spalten wollen. Am 29. Mai wäre der Tag der Nachbarn, machen wir gerade jetzt alle Tage zu Tagen der Nachbarschaft.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“