Der Tod hat nicht das letzte Wort, sagt Pfarrer Christian Nagel (Mitte), hier mit Kardinal Karl Lehmann und seiner Mutter Hildegunde Nagel. Foto: Privat

LAUBENHEIM – Persönlich betroffen spricht der Katholische Pfarrer Christian Nagel über die österliche Bußzeit, auch Passionszeit genannt, und das bevorstehende Osterfest.

Wie deuten Sie die österliche Bußzeit vor dem Hintergrund der aktuellen Krise und der Ausnahmesituation? 

CHRISTIAN NAGEL: Am Sonntag habe ich stellvertretend für die Christen in der Kirchengemeinde im Namen aller Gemeindemitglieder die Eucharistie gefeiert. Das Tagesgebet sagt alles über die derzeitige Krisensituation aus: „Gott, unser Vater, du bist der Quell des Erbarmens, wir stehen als Sünder vor dir, und unser Gewissen klagt uns an. Siehe auf unsere Not und lass uns Vergebung finden durch Fasten, Gebet und Werken der Liebe.“ Das Motto ist aktuell in jeder Hinsicht umsetzbar: durch Werke der Liebe angefangen bei den Zeichen der Anteilnahme über die Sorge für die Betagten und Kranken bis hin zur Nachbarschaftshilfe. Neben der täglichen Gemeinschaft mit den Gemeindemitgliedern im Gebet „Vater Unser“ empfehle ich das Gebet.

Was kann Ostern und die Feier der Auferstehung Jesu im Jahr 2020 bedeuten?

CHRISTIAN NAGEL: Für mich persönlich ist diesmal das bevorstehende Osterfest in vielfacher Hinsicht ergreifend und tiefgehend, in der jetzigen Situation einerseits und zum anderen, da meine Mutter Hildegunde Nagel kürzlich heimgegangen ist. Da sie schon im Leben gelernt hatte, in unterschiedlicher Form und Nähe Abschiede von Menschen und Lebenszeit zu nehmen, es ihr leichter gefallen, loszulassen und Gottes Nähe zu suchen und zu finden. In diesem Zusammenhang verbunden mit der derzeitigen Krise ist mir Folgendes bewusst geworden: Das bevorstehende Osterfest kann uns daran erinnern, dass der Auferweckte ein Gekreuzigter ist, der die Tiefe menschlicher Not, Ohnmacht und Ausweglosigkeit mit ans Kreuz geheftet hat. Ostern wischt den Tod nicht einfach weg, es nimmt ihm aber die Verzweiflung. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Der Tod ist also keine Endstation. Er ist das Tor, hinter dem der eigentliche Weg erst beginnt. In diesem Sinne werde ich in diesem Jahr das Osterfest begehen. 

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.