Moderne Psalmen wurden in der Weisenauer Kirche Mariä Himmelfahrt vorgetragen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

WEISENAU – Das Mitsingkonzert in der Weisenauer katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt dürfte eine der letzten öffentlichen Veranstaltungen in Mainz gewesen sein, bevor das öffentliche Leben ruhte. Zu Gast in der Gemeinde weilte eine Band um Eugen Eckert, den Liedtexter und evangelischen Stadionpfarrer in der Frankfurter Commerzbank-Arena, Sängerin Marina Herrmann sowie den Kirchenmusiker und Komponisten Thomas Gabriel, den Kantor für Neue Geistliche Musik im Bistum Mainz.

Etwa 100 Zuhörer ließen sich im Vorgriff von der Musik auf die bevorstehende gesellschaftliche Ausnahmesituation einstimmen.

Das Programm setzte sich aus ausgewählten Liedern des neuen Gesangbuches zusammen, das 2019 erschienen ist. Die Texte übersetzten oder übertrugen die biblischen Psalmen in die Sprache und Themen der Gegenwart. Für das biblische Volk, aber auch für die Kirchen stellten und stellen die Psalmen einen wichtigen Teil der Tagesgebete und der persönlichen Frömmigkeit dar. Darauf ausgerichtet, die besondere Nähe zu Gott herzustellen, helfen sie beim Rezitieren oder Singen die Zweifel, Ängste, Hoffnungen, aber letztendlich auch das Vertrauen auf Gott und schließlich die Dankbarkeit und Gottes Lob auszudrücken.

Das Mitsingkonzert tat dies erstaunlich zeitnah aus. Wie beim Lied, das dem Gesangbuch den Titel gab: „Eine Handbreit bei Dir“. „Wie oft steh‘n wir Menschen schwach und hilflos da. / Schatten schrecken uns auf uns‘ren Wegen, / bleib im Dunkeln, Gott, uns greifbar nah.“

Den musikalischen Hintergrund für die 230 Lieder im Buch bildet die Bewegung Neues Geistliches Lied. Mittlerweile ist sie zu einer starken ökumenischen Bewegung herangewachsen, an der sich eine große Zahl zeitgenössischer evangelischer und katholischer Autoren beteiligt. So sei auch das Gesangbuch ein ökumenisches Projekt, erklärte Verlagsleiter Patrick Dehm. Zwei-, drei- oder vierstimmige Stücke sollen daraus noch erarbeitet werden.

„Da die Kirchengemeinden zu größeren administrativen Einheiten umstrukturiert werden, braucht es eine gute musikalische Arbeit“, so Dehm. „Mit Kinder-, Jugend-, Kirchenchören und Bands. Denn jeder Chor ist eine Gemeinschaft.“ Werden die Kirchengemeinden größer, so brauche es kleinere Gemeinschaften im Inneren, die sich wöchentlich treffen. Im Chor gehe es neben der Musik immer auch um Beziehungen zwischen den Menschen. In den Kirchengemeinden stärken sie eminent das Beziehungsgeschehen im Glauben. „Deshalb benötigen wir eine Choroffensive in den katholischen Bistümern und den evangelischen Kirchen in Deutschland.“ Denn jedes Lied sei eine gesungene Predigt, konstatierte Dehm.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.