Zufrieden präsentiert Jana Madle-Elmerhaus ihre in tagelanger Kleinarbeit im Druckladen des Gutenberg-Museums entstandene Typografik mit schwarzen und roten Lettern in Frakturschrif und Gutenbergs Konterfei. Foto: Gutenberg-Museum

MAINZ – Nein, die typische junge Handwerkerin, die nach der Lehrzeit in alter Walz-Tradition monatelang durch die Lande zieht, um an Arbeitstechniken zu feilen und Lebenserfahrung zu gewinnen, ist Jana Madle-Elmerhaus nicht. Schließlich ist die zierliche Frau studierte Typografin, Inhaberin einer Kommunikationsagentur und sogar schon Großmutter eines siebenjährigen Enkelkinds.

Dennoch hat sich die 53-Jährige im vergangenen Sommer aufgemacht, um das vom Aussterben bedrohte Handwerk des Schriftsetzens in möglichst vielen handwerklichen Druckwerkstätten zu erkunden. Das Gutenberg-Museum mit seinem Druckladen ist da natürlich Pflichtstation. Fünf Tage verbrachte Madle-Elmerhaus in der Gutenberg-Stadt, der siebten Station ihrer „Typo-Walz“. Und lernte in einem der ältesten Museen für Buch-, Druck- und Schriftgeschichte der Welt und seinem Druckladen viele Feinheiten des Gestaltens, Druckens und Setzens in der Manier des Erfinders des Druckens mit beweglichen Lettern aus Metall kennen.

Werbeplakate und Imagebroschüren, Webseiten und Geschäftspapiere, die Entwicklung von Logos und von Corporate Designs: Üblicherweise bestimmen diese Dinge den Arbeitsalltag in Madle-Elmerhaus ́ Hamburger und Lübecker Agentur. Das Handwerk sei im Gegensatz zur Kreativität erlernbar, sagt die gebürtige Hamburgerin. Beim Setzen lasse sich die Schrift „im wahrsten Sinne des Wortes Buchstabe für Buchstabe begreifen“. Und abgesehen davon: „Ein Blick über den Tellerrand ist spannend und inspirierend.“

Angeregt vom „Verein für die Schwarze Kunst“, der seit zwei Jahren Stipendien für die „Walz im Handsatz und Buchdruck“ vergibt und in dem das Gutenberg-Museum Mitglied ist, machte sich die Typografin deshalb auf den Weg – wegen Überschreitens der vom Verein gesetzten Altersgrenze jedoch unabhängig und eigenfinanziert. Nichtsdestotrotz: Von Dachau und Bruchsal über Dresden, Volkach und München bis nach Mosbach und eben Mainz war Madle-Elmerhaus schon unterwegs. Aufenthalte im Norden Deutschlands, in Österreich, Italien und der Schweiz sollen noch folgen.

„Eine geschichtsträchtige Woche voller bunter Kultur und Ereignisse geht zu Ende“, bilanziert Madle-Elmerhaus am Ende ihres Aufenthalts in Mainz, im Gutenberg-Museum, das laut Umberto Eco für den Freund des Buches „wie eine Pilgerreise nach Jerusalem oder Mekka“ ist.

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