Wirksamen Naturschutz stellten PD Dr. Florian Menzel und Diplombiologin Julia Helwig in der Alten Ziegelei vor. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – Das Insektensterben hat bundesweit dramatische Formen angenommen. Wege für den Erhalt der Artenvielfalt zeigten jetzt PD Dr. Florian Menzel von der Fakultät für Biologie und Diplombiologin Julia Helwig bei ihren Vorträgen „Nicht nur die Honigbiene –Ursachen und Folgen des Insektensterbens“ in der Alten Ziegelei auf. Dazu hatte die Bretzenheimer AG Nachhaltigkeit gemeinsam mit dem BUND in den Raum der VHS eingeladen. „Wir beginnen vor der eigenen Haustüre“, sagte Ortsvorsteherin Claudia Siebner, die die im August 2019 gegründete AG den rund 70 Zuhörern kurz vorstellte.

„Die Honigbiene ist nicht gefährdet, aber die Zahlen der Wildbienen und Schmetterlinge haben rapide abgenommen“, erläuterte Dr. Menzel in seinem Vortrag. „Wir brauchen aber die Insekten als Bestäuber, wenn wir weiter Obst essen wollen.“ Auch als Nahrungsquelle für Vögel seien Insekten extrem wichtig, weshalb der starke Rückgang der Insekten auch einen enormen Rückgang der Vogelpopulation bedeute. Die größte Abnahme an Insekten gebe es auf landwirtschaftlichen Flächen aufgrund von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, häufigem Mähen, Überdüngung und Pestizideinsatz. Um die Strukturvielfalt zu erhalten, sollten Ackerlandstreifen und Hecken daher als natürlicher Lebensraum besser erhalten bleiben. Menzel sprach sich für umweltfreundliche Landwirtschaft zu fairen Preisen aus. „Wir Verbraucher sind gefragt, mehr regionale und saisonale Produkte zu essen und Bio-Lebensmittel zu kaufen.“ Er forderte jeden Einzelnen auf, seine Lebensweise zu ändern und weniger tierische Produkte zu essen. „Mit dieser Maßnahme können Sie massiv CO2 einsparen.“ In der Agrarwende sollten mehr Agrarsubventionen für Naturschutzmaßnahmen genehmigt werden. „Die Verantwortung liegt nicht nur bei den Landwirten, sondern auch bei den Verbrauchern und der Politik.“ Zudem kann jeder Einzelne das Volksbegehren auf EU-Ebene für eine naturnahe Landwirtschaft unterstützen und die Online-Petition unterschreiben.

Diplombiologin Julia Helwig stellte Maßnahmen für den eigenen Garten vor. Wiesen sollten weniger oft gemäht und eine Tränke für Vögel und Insekten eingerichtet werden. Mulchen und Kies einsetzen sind keine Lösung. „Dann können die Wildbienen nicht im Boden brüten.“

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Oliver Gehrig
Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.