Der Vorstand v.l. Felix Schmitt, Dieter Pfeifer, Markus Hochhaus, Ralf Wollstädter, Sven Schmitt. Foto: Helene Braun

FINTHEN –Hört der Verbraucher das Wort Glyphosat, bekommt er es mit der Angst zu tun. Sind die Bauern an allem schuld? Am Insektensterben, obwohl sie diejenigen sind, die im Sommer eigens Blühstreifen anlegen, diejenigen, die die Wirtschaftswege unentgeltlich pflegen, die eben eng mit der Natur verbunden sind? Die Demonstrationen der jüngeren Zeit, an denen auch die Finther, etwa in Berlin, teilgenommen haben, zeigen es überdeutlich. „Die Wertschätzung der Landwirte ist eine Katastrophe. Wir probieren das Beste und werden immer nur getreten“, sagte Markus Hochhaus, Vorsitzender des Finther Bauernvereins, bei der Jahreshauptversammlung.

Die anstehende Verabschiedung der verschärften Düngeverordnung und das Agrarpaket der Bundesregierung im Bundesrat beschäftigten die Landwirte in dieser Sitzung hauptsächlich. Im Mai 2019 hatte der Bauernverein einen Antrag auf Zulassung von Glyphosat im NDG bei der Kreisverwaltung gestellt. Dazu habe sogar jemand vom NABU geraten, weil es sonst nichts gebe. „Wir verwenden Glyphosat so, dass es keine Schäden verursacht“, stellte Hochhaus klar. „Wir spritzen es auch auf keine Kultur, sondern in die Baumreihen.“

Markus Schmitt sagte: „Pflanzenschutzmittel sind Medizin für die Umwelt.“ Existenzbedrohend für Kleinbetriebe sei diese Politik, so Schmitt weiter. „Es heißt immer, die kleinen Strukturen sollen erhalten werden, aber die Auflagen, die jetzt kommen, können sie gar nicht erfüllen.“ Werde Nitrat um 20 Prozent wie gefordert reduziert, bekomme man nur Futterweizen.

Die Agrarminister-Konferenz im letzten Jahr im Atrium-Hotel in Finthen nutzten die Landwirte ebenso wie die Traktorfahrt mach Berlin, ihren Unmut in einer Kundgebung deutlich zu machen. Derweil sind die Demos nicht ganz kostenlos, einen Gutteil der Berlinfahrt haben die Jungbauern übernommen, der andere Part (insgesamt 2000 Euro) wird auf die Landwirte verteilt, die mitgefahren sind. Die Unterstützung aus der Vereinskasse reicht da nicht. „Wir müssen sehen, wie wir an mehr Geld kommen, etwa am Weihnachtsmarkt mit einem Essensangebot“, sagte Vorsitzender Hochhaus.

Mit Blick auf das trockene Jahr 2019, das zweite in Folge, so Hochhaus weiter: „Wir mussten wieder kämpfen, die Handelsklassengesetze zu erfüllen. Viele Aprikosen sind hängengeblieben, weil sie gar nicht dickgeworden sind. Ich bin froh für jede Wasserleitung, die gelegt werden kann.“

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.