Das Jahreskonzert des MGV Cäcilia im vergangenen Jahr. In diesem Jahr stehen zahlreiche Aktivitäten zum 175-Jährigen an. Archivfoto: Elke Fauck

GONSENHEIM – Eigentlich gilt die Heilige Cäcilia als Schutzpatronin der Kirchenmusik. Dennoch ist sie heute auch Namensgeberin von vielen weltlichen Chören. So auch der MGV Cäcilia 1845 in Gonsenheim. Der Verein wurde am 18. Mai 1845 als erster Verein in Gonsenheim gegründet.

Wie noch heute dem Vereinsnamen zu entnehmen ist, war es zu dieser Zeit ein reiner Männergesangverein. Bereits 1846 nahm der Verein aus dem damals 2.200 Einwohner zählenden Dorf an einem öffentlichen Gesangswettstreit teil, gewann jedoch zunächst keinen Preis.

Die Ehefrau von Nikolaus Nack (Mainzer Bürgermeister von 1842 bis 1860), die sich nach Überlieferungen hervorragend mit Musik auskannte, war im Publikum und legte anschließend beim Vorstand der Mainzer Liedertafel, dem Ausrichter der Veranstaltung, ein Veto ein.

Dem Jahrbuch von 1905 ist folgender Satz zu entnehmen: „Ich halte es nicht für das Recht, dass der Gonsenheimer Verein keinen Preis erhalten hat, denn er brachte einen der schwierigsten Chöre den ich kenne (Fis-Moll-Kapelle) sehr gut zum Vortrag.“ Aufgrund dessen bekam der MGV Cäcilia die Silbermedaille, die lange an der Vereinsfahne befestigt war und vermutlich im Zweiten Weltkrieg abhanden kam.

1910 gewann der Chor bei einem Gesangswettstreit in Darmstadt einen reich verzierten Pokal, überreicht von der Zarin Alexandra Feodorovna. Der 1968 gegründete Kinder- und Jugendchor erfreute sich zwar rund 40 Jahre lang großer Beliebtheit, doch durch die Strukturänderungen in den Schulen musste er 2013 wegen geringer Nachfrage aufgelöst werden.

Erst 1973 setzte sich bei Cäcilia die Emanzipation durch und der erste Frauenchor wurde ins Leben gerufen. Ende der 90er Jahre drohte der Verein – wie so viele Gesangvereine – zu vergreisen. Der neue Chor „The Next Generation“ wurde aus der Taufe gehoben und ihm gesellten sich dann auch wieder Mitglieder des ursprünglichen Kinder- und Jugendchores hinzu. Die Zahl der Mitglieder wuchs stetig und in dem heute 358 Mitglieder zählenden Verein sind aktuell 74 bei dem jungen Chor ansässig.

Florian Meuser, Chorleiter seit 2011 schafft es immer wieder seinen gemischten Chor mit modernen Liedern, Musicals und Evergreens zu begeistern. Da er auch rechts des Rheins einen Chor leitet, gab es 2016 ein Preisgeld von 5000 Euro mit dem der „Brückenschlag“ durch zwei gemeinsame sehr erfolgreiche Konzerte der beiden Chöre gewürdigt wurde.

Seit 2017 gibt es jährliche Projektchöre, die sich ebenfalls immer wieder großer Beliebtheit erfreuen und sich etwa ein Drittel der SängerInnen nach Beendigung des Projektes für einen Chor entscheiden. Wegen der Jubiläumsfeierlichkeiten ist für 2020 kein Projektchor geplant, doch ist die Nachfrage so groß, dass ab 2021 das jährliche Projekt wieder aufgenommen wird.

Folgende öffentliche Veranstaltungen stehen im Jubiläumsjahr auf dem Programm: 25. April: „Gonsenheimer Abend“ in der Jahnturnhalle; 17. Mai: akademische Feier in der Jahnturnhalle; 1. Juni: Waldfest auf dem Sportplatz; 21. November: Jubiläumskonzert aller Chöre in der TGM-Halle.

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Elke Fauck
Seit November 2013 arbeite ich als freie Mitarbeiterin für die Lokale Zeitung. Hauptsächlich schreibe ich für Gonsenheim, Mombach und Finthen – aber auch gelegentlich andere Vororte oder die Innenstadt. Ich favorisiere kulturelle Veranstaltungen wie Vernissagen, Konzerte etc., auch während der Fastnachtszeit bin ich sehr gerne für die Lokale unterwegs. Doch die Mischung macht’s – deshalb berichte ich über alle Themen.