Pfarrerin Maria Heiligenthal will als Geistliche und als Mensch sich selbst nicht so wichtig nehmen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

BRETZENHEIM. Ein Ehepaar leitet die evangelische Kirchengemeinde in Bretzenheim. Neben Sascha Heiligenthal ist seit Kurzem seine Frau Maria mit einer halben Stelle in der Philippus-Gemeinde tätig. Maria Heiligenthal studierte in Leipzig und Jena Theologie. Ein Spezialvikariat verbrachte sie in der Krankenhausseelsorge in Wiesbaden. Zuletzt wirkte sie sieben Jahre als Pfarrerin in Königstädten.

„Ein anderer Wechsel als nach Bretzenheim kam für mich nicht infrage“, bekennt sie. „In der Gemeinde weht ein guter Geist“, sagt sie. „Viele Menschen erleben Philippus als ihr Zuhause.“

Apropos Zuhause: Die 45-jährige Mutter von zwei Kindern ist in einem Pfarrhaus aufgewachsen. In Thüringen. Sie weiß, dass dies von einer Durchschnittserfahrung abweicht. „Die Schwelle, an der Tür zum Pfarrhaus zu klingeln, ist niedriger.“ Dafür seien die Begegnungen mit den Bedürfnissen der Menschen für den Nachwuchs vom unschätzbaren Wert. So wie die Möglichkeiten für ihre Kinder, an das „vielfältige Angebot der Gemeinde anzudocken“. Fast 30 Gruppen sind aktiv: von der Krabbelgruppe über die Pfadfinder-, Bierbrauer-, Umwelt- und Literaturgruppe bis hin zur Seniorenarbeit und vieles mehr. Heiligenthal will die Seniorenarbeit bereichern, sich um die Stiftung kümmern und im Bau- oder im Finanzausschuss tätig sein. „Jetzt muss ich vieles lernen.“ Auch dass sie die Aufgaben abgeben kann. „Sieben Jahre erteilte ich den Konfirmandenunterricht alleine. Jetzt habe ich acht Helfer.“ Das Bedürfnis, die Jugendlichen eingehend kennenzulernen, muss hinten anstehen. „Aber ich wachse daran.“

Und wie hält sie es mit dem Glauben? „Der Glaube ist eine Aufgabe der Interpretation und das Christ Sein mein tägliches Brot“. Jesus habe den Menschen vor allem beigebracht, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Als Pfarrerin bewege sie sich oft an Grenzerfahrungen der anderen, die beispielsweise den Tod einer Person oder einen Schicksalsschlag erleben. „Die christliche Botschaft des Trostes hat eine enorme Wirkung.“ So wie die Hauptbotschaft von der Auferstehung. Ihre Vorbilder seien Menschen, die spirituell unterwegs sind. Wie Richard Rohr, Anselm Grün oder die Ärztin Ruth Pfau. „Sie sind oft sanftmütig, frei von Eitelkeit und offen anderen gegenüber.“ Ihr Ideal sei es, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. „Ein hoher Anspruch, dem ich nicht immer gerecht werde. Es bringt mich voran, wenn ich Personen zu verstehen versuche.“

Ihre Kinder hat das Pfarrerehepaar übrigens nicht selber getauft. „Aber ich werde demnächst meinen Sohn konfirmen.“

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.