Bastian Ruhls Kartenspiel kann bei Alphabetisierung helfen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

GAU-ALGESHEIM – Das Spiel, das Bastian Ruhl erfunden hat, dauert zehn Minuten. Den Spaß, von dem die Nutzer berichten, soll länger halten. „Das Spiel hat die denkwürdigsten Wörter ans Licht gebracht und an manchen Abenden Bauchkrämpfe vor Lachen beschert“, schreibt eine Nutzerin auf der Homepage von Amazon, über die Ruhl das Spiel, das er „Pun“ (ausgesprochen: pan) genannt hat, vertreibt. 

„Pun“ besteht aus 54 Karten mit aufgedruckten Buchstaben und ist in der einfachsten Version als Leselernhilfe konzipiert. Es verdankt hat ursprünglich den Schwierigkeiten, die Ruhls Nichte beim Lesenlernen gehabt habe, erzählt der Informatikkaufmann. Das ist jetzt etwas her. „Sie kann mittlerweile lesen.“ Während der langen Zeit, die Ruhl in die Entwicklung investiert hat, ist ein Spiel mit bedeutsamer Wirkung entstanden. „Ich habe das Spiel gekauft, um damit die Buchstaben mit meinem Neffen zu üben. Mit der Spielvariante ,Pun Kids’, einer Art Buchstabenmemory, hat das auch wunderbar funktioniert“, schreibt eine weitere Nutzerin. 

Das eben erwähnte „Pun Kids“, das beim Erlernen des Alphabets hilft. Das „Pun Junior“ baut den Wortschatz auf und das eigentliche „Pun“ fördert die Kommunikationskompetenz. Das Kartenspiel ist durch Medienberichte inzwischen in Rheinhessen bekannt.

„Wir müssen an unserer Spielkultur arbeiten“, stellt Ruhl fest. Mit „Pun“ und der Symbolik der roten Karte, will er eine Botschaft vermitteln. „Wir Menschen haben einen ausgeprägten Spieltrieb, welcher produktiv zum Lernen genutzt werden kann“. Leider werde das Medium Spiel in der Schule sehr schwach eingebracht, meint er. Auf der anderen Seite sieht Ruhl die Spielindustrie, die in hoher Zahl Games auf den Markt bringt, „die stark das Belohnungssystem aktivieren und oft inhaltslos sind“. Mit kleinen Geldbeträgen wird der Erfolg beschleunigt. Die explizit eingebauten Bezahlmechanismen, wie Micropayment oder Premiummodelle, entpuppen sich als eine Falle. 

„Es gibt viele Bereiche, die sich digitalisieren lassen. Aber wir sollen nicht alles derart behandeln“. Die zwischenmenschliche Interaktion sei nicht zu ersetzen. Im persönlichen Gespräch erfahren die Partizipierenden mehr voneinander. „Während wir viel über digitale Medien kommunizieren und dafür Smartphones und Computer nutzen, leidet die interpersonelle Dimension und die gesellschaftliche Kompetenz.“ Ein gemeinsames Kartenspiel am Tisch bringt den sozialen Aspekt hervor. Deshalb setzt er sich auch politisch dafür ein, dass Gesellschaftsspiele endlich als Kulturgut anerkannt werden. „Ein längst überfälliger Schritt“.

Das Potenzial von „Pun“ nennt Ruhl „nicht gering“. Zumal „Pun“ auch Menschen spielen können, die noch nicht lesen können. Seit Kurzem ist Ruhl damit ein offizieller Unterstützer des Kompetenznetzwerks Grundbildung und Alphabetisierung Rheinland-Pfalz. 

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.