Mark Stehle, Vorstand der Genobank, ist neuer Vorsitzender des Mombacher Gewerberings. Foto: Gregor Gerlach-Starosczyk

MOMBACH – Mark Stehle, Vorstand der Genobank, ist neuer Vorsitzender des Mombacher Gewerberings. Wir sprachen mit ihm über die Herausforderungen des Gewerbes. Und über die Großbaustelle Hauptstraße.

Herr Stehle, wie kam es, dass Sie zum Vorsitzenden gewählt wurden?

MARK STEHLE: Ich wurde von mehreren Mitgliedern des Vereines angesprochen, die mich auf die angespannte Situation des Gewerberinges aufmerksam gemacht haben. Die meisten Vorstandsmitglieder waren zwischenzeitlich zurückgetreten und die Führung der Geschäfte lag danieder. Der Fortbestand des Vereines lag mir sehr am Herzen, da für mich der Mogri eine Institution in Mombach ist. Außerdem zählte unser ehemaliger Vorstand, Gerhard Grimm, zu den Mitbegründern des Vereines und insofern sah ich es auch als eine Art Vermächtnis, mich darum zu kümmern.

Seit wann sind Sie selbst in Mombach tätig?

MARK STEHLE: Ich bin seit 1988 bei der Genobank Mainz tätig. Ich habe dort bereits meine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert. 2008 wurde ich in den Vorstand berufen.

Was verbindet Sie sonst mit Mombach?

MARK STEHLE: Privat verbindet mich als Mitglied im Mombacher Turnverein und beim CCM Die Eulenspiegel vieles mit der Mombacher Fastnacht und dem lokalen Vereinsleben.

Wie bewerten Sie allgemein die Situation des Gewerbes in Mombach?

MARK STEHLE: Die Schließung der Standorte der Firmen Nestle und Cargill war ein großer Verlust und hat einige Arbeitsplätze gekostet. Ich bin froh, dass sich die anderen Firmen gerade auf der Rheinallee oder der Industriestraße gut etabliert haben und auch wieder Neuansiedlungen gewonnen werden konnten. Wir haben in Mombach viele unterschiedliche Unternehmen, die zum Teil weltweit tätig sind, was für den Standort Mombach von Vorteil ist. Ich denke, allgemein gesehen sind wir in Mombach immer noch in der glücklichen Lage, alles im Ort oder vor Ort zu haben. Wir haben hier genügend Ärzte, Apotheken, Bäcker, Supermärkte etc., was es in anderen Stadtteilen in dieser Form schon nicht mehr gibt.

Wo sieht es besonders gut aus?

Mark Stehle spricht von massiven Problemen als Folge der Dauerbaustelle Hauptsraße. Foto: Gregor Gerlach-Starosczyk

MARK STEHLE: Ich glaube Mombach partizipiert sehr stark von einem gut funktionierenden Vereins- und Kulturleben. Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren einiges getan, um Mombach weiter zu beleben. Hier denke ich an den Mombacher Wochenmarkt oder die regelmäßige Wein-Lounge vor der Ortverwaltung. Was von den Mombachern beides gut angenommen wird. Überhaupt das ganze Ortsleben ist geprägt von „Meenzer“ Offenheit und einem guten Miteinander. Das Zusammenspiel von Vereinen und Ortsbeirat funktioniert und ist damit eine wichtige Grundlage für diese Entwicklung.

Wo liegen die Defizite?

MARK STEHLE: Problematisch gestaltet sich die Situation ganz klar auf der Hauptstraße. Die dort ansässigen Geschäfte leiden unter der andauernden Baustelle zur Neugestaltung unserer Geschäftsstraße. Das Ende der anhaltenden Vollsperrung ist noch bis lange ins Jahr 2020 rein hin. Allein die Wegführung für Fußgänger ist teilweise eine Zumutung. Die Nerven von Anwohnern und Passanten liegen blank. Ich habe schon von gegen Bauarbeiter fliegenden Flaschen gehört und es gab auch schon Rangeleien zwischen Radfahrern und Fußgängern.

Wie sieht Ihre bisherige Bilanz der Sperrung der Hauptstraße aus?

MARK STEHLE: Unsere Genobank ist ja so gut wie von Anfang an vom Umbau betroffen, da die Zufahrt zu unserem Bankgebäude nicht wie üblich möglich war. Jedoch können wir sagen, dass unsere Bankgeschäfte nicht wirklich eingeschränkt wurden. Da es über die Seitenstraßen glücklicherweise immer noch eine Zufahrt zu unserem Parkplatz gab, konnten wir unsere Kunden zu uns dirigieren. Trotzdem war spürbar, dass die allgemeine Frequenz z.B. am Schalter deutlich zurückgegangen ist. Was aber in Zeiten von Onlinebanking & Co. zum Glück keine Umsatzeinbußen bedeutete. Anders sieht es bei den anderen Branchen aus, die auf Kundenverkehr angewiesen sind. Alle Dienstleister, der Handel, die Gastronomie und die klassischen Ladengeschäfte haben erhebliche Umsatzrückgänge. Erste Ladenlokale stehen bereits leer, da die Inhaber die Geschäfte aufgegeben haben und an eine Neuvermietung derzeit nicht zu denken ist. Ob es nach Fertigstellung der Bauarbeiten gelingen wird, die inzwischen anderweitig einkaufenden Kunden wieder auf die Hauptstraße zu holen, bleibt abzuwarten. Hier sehen wir eine große Herausforderung, wo wir als Mombacher Gewerbering aktiv werden wollen.

Wie bewerten Sie die Bedeutung des Gewerbes im Gewerbegebiet?

MARK STEHLE: „Das Gewerbegebiet“ Mombach gibt es ja so leider nicht. Die Gewerbe verteilen sich auf die verschiedensten Standorte. Vom Industriegebiet Rheinallee / Industriestrasse, über die Gewerbegebiete Dahlheimer Wiese, Panzerwerk und Brunnenstube, die Läden auf Haupt- und Suderstraße bzw. Westring und Lemmchen; alles verteilt sich über ganz Mombach. Das macht es schwieriger Synergien zu generieren. Gerade hier sehe ich eine künftige zentrale Aufgabe für den Mombacher Gewerbering, diese räumliche Zersplitterung aufzufangen und die Unternehmer zu mindestens in einer gemeinsamen Interessensvertretung zu einen.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“