Als erste Vertreterin der Stadt Mainz gratulierte Ortsvorsteherin Sissi Westrich die 100-jährige Edith Lohmüller. Foto: Helene Braun

LERCHENBERG –100 Jahre alt zu werden, das ist auch heute noch, wo die Menschen im Durchschnitt länger leben, eine Besonderheit. Wenn dann aber das Geburtstagskind noch sagt: „Mich kann nichts umhauen, was soll schon passieren“, dann ist es ein Phänomen. Das Phänomen heißt Edith Lohmüller und vor acht Jahren zog sie nach Mainz auf den Lerchenberg in die Regerstraße. Hier lebt sie barrierefrei und Tochter Gudrun ist ganz in der Nähe. Mit 40 Gästen oder mehr feierte die Jubilarin ihren Ehrentag groß am Abend im Hotel am Lerchenberg. Oberbürgermeister Michael Ebling und Ortsvorsteherin Sissi Westrich gratulierten auch.

Zur Lokalen Zeitung sagte die 100-Jährige: „Das soll das Fest meines Lebens sein. Wenn ich nicht mehr bin sollen alle sagen, wie wunderbar der Geburtstag von Edith Lohmüller war.“ Ihren Mut, das Leben zu meistern, zeigte sie schon früh, etwa als sie im Krieg mit ihrer damals zweijährigen Tochter ihren Mann in Bad Kreuznach aufsuchte, damit er das Kind einmal sähe. Dafür nahm sie viele Strapazen und Gefahren gegen den Willen ihrer Eltern auf sich. Und es sollte auch das letzte Mal bleiben, denn in Orléans verstarb ihr Gatte im Gefangenenlager an Hunger, Auszehrung und Misshandlung.“ Später heiratete Edith Lohmüller erneut. Der Obst-und Gemüsegroßhändler Georg Lohmüller wurde für die Tochter „der beste Papi der Welt“ und für seine Frau ein gütiger zuverlässiger Ehemann. Die Jubilarin sagte: „Er war ein Mann der alten Schule und immer Kavalier.“ Er verstarb 1987.

In Hamm/Westfalen ist Edith Lohmüller geboren, lebte dort, bis ihre Tochter vorschlug, auf den Lerchenberg zu ziehen, wo sie sich um sie kümmern könne. Das tat die damals 92-Jährige auch. Doch: „Es fiel mir erst schwer, ich bin ein Stadtmensch und der Lerchenberg ist eher ein Dorf.“ Nach und nach lernte sie die Schönheiten ihres neuen Wohnortes zu schätzen. Mit ihren Nachbarn pflegt sie guten Kontakt und liebt das Kartenspiel mit ihnen. Bis zum 91. Lebensjahr war sie noch im Turnverein. Als sie merkte, dass sie beim Aufstehen aus der Liegeposition Hilfe brauchte, sagte sie adieu. Mit Hilfe wollte sie es nicht.

Von weit her und vom Lerchenberg kamen die Gäste, die einen unvergesslichen Abend erleben durften, bei dem ein Chor und der berühmte Tenor Fabian Kelly ihre musikalische Aufwartung machten. Kelly, der frühere Organist in der evangelischen Kirche, sang für Edith: „Dein ist mein ganzes Herz“.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.