Peter Sievers ist neu in der Pfarrgemeinde. Foto: privat

LAUBENHEIM – Weihnachten feiern nicht nur Christen. Wie stehen die Pfarrer dazu und was bedeutet ihnen selbst das Fest der Geburt Jesu, heute gerne als Fest der Liebe bezeichnet. Wir fragten den neuen katholischen Pfarrer in Laubenheim, Peter Sievers.

Die Lokale: Was bedeutet Weihnachten für Sie persönlich?
Peter Sievers: Weihnachten ist für mich neben Ostern das schönste Fest im Jahr, allerdings auch jenes, das ganz viel Vorbereitungsarbeit braucht. Es lohnt sich aber, den besonderen Gottesdiensten an den Feiertagen viel Aufmerksamkeit zu widmen, für die Mitfeiernden und für mich selbst. Ich selbst mag die weihnachtliche Musik sehr, ebenso die Stimmung durch Weihnachtsbäume, Kerzen, gute Texte, Krippe. Besuche bei der Familie und bei Freunden gehören genauso dazu. Und Ich fühle mich eben auch durch das Glaubensgeheimnis der Menschwerdung Gottes in dem Kind Jesus von Nazaret Jahr für Jahr sehr berührt – der oft als so fern wahrgenommene Gott kommt den Menschen auf diese Weise unglaublich nah. Ich hoffe, dass diese Botschaft bei vielen Mitfeiernden ankommt.

Die Lokale: Ärgert Sie das Konsumverhalten der Gläubigen zur Feier der Geburt Jesu?
Peter Sievers: Nicht generell, das kann und muss schon jeder selbst entscheiden, wie er mit Weihnachten umgeht. Ich wünsche mir allerdings manchmal, dass die Angebote in den Supermärkten nicht schon Wochen vorher auftauchen. Ich hoffe schon auch, dass die Menschen mit allen Geschenken, egal wie teuer, sich selbst schenken wollen, d.h. die gute Beziehung zu einem anderen Menschen, Kind oder Erwachsenen, ausdrücken wollen, statt einen Status zu zeigen. Erstaunlich und gut ist auch die Spendenbereitschaft vor Weihnachten!

Die Lokale: Wie steht es mit denen, die keiner Kirche angehören? Dürfen auch sie Weihnachten feiern?
Peter Sievers: Selbstverständlich. Im engeren Sinn können Nichtchristen natürlich nicht inhaltlich „Weihnachten feiern“, weil Jesus keine besondere Bedeutung hat. Aber warum nicht trotzdem feiern? Vor Jahren reservierte einmal ein türkischer Fußballverein einen Saal im Pfarrheim für eine „Weihnachtsfeier“. Auf meine interessierte Nachfrage hin meinte der Verantwortliche: „Alle Vereine machen Weihnachtsfeiern, unsere Mitglieder wollen das auch!“ Wo es um Gemeinschaft geht, ist man dem Sinn von Weihnachten ja auch ganz nah. Spannender finde ich die Frage, inwieweit getaufte Menschen sich mit dem tieferen Sinn von Weihnachten beschäftigen.

Die Lokale: Was machen Sie an Heiligabend, wenn der letzte Gottesdienst gehalten ist?
Peter Sievers: Wir feiern in der katholischen Kirche Laubenheim ein ökumenisches Krippenspiel um 15 Uhr, um 16.30 h Familienchristmette und um 22 h die Christmette für Erwachsene und Jugendliche. Nach dem nächtlichen Gottesdienst lege ich die Füße hoch, lasse die Eindrücke Revue passieren, versuche, zur Ruhe zu kommen und schlafen zu gehen. Denn am 25.12. geht es um 10.30 h weiter mit dem Weihnachtshochamt mit Kirchenchor. Und auch darauf freue ich mich. Etwas mehr Pause gibt es erst nach dem 26.12. Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich jedenfalls von Herzen ein schönes, besinnliches, erfülltes Weihnachtsfest 2019!

Die Fragen stellte Helene Braun

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.