Pfarrer Paul Kollar. Foto: privat

BODENHEIM/NACKENHEIM –Seit über einem Jahr ist der Bodenheimer katholische Pfarrer Paul Kollar auch für Nackenheim verantwortlich. Weihnachten ist jedes Jahr, Maria 2.0 eine Aktion, die in diesem Jahr in vielen Pfarreien gestartet ist. Daher fragten wir auch nach dem Amt der Frau in der katholischen Kirche.

Die Lokale: Wie bewältigen Sie Ihre Arbeit an und vor Weihnachten, jetzt, wo auch die Nackenheimer zu Ihren Schäfchen zählen?

Paul Kollar: Das ist eine Sache der Planung und der Einteilung. In der Pfarrgruppe Bodenheim/Nackenheim gibt es nicht nur mich. Viele Haupt-und Ehrenamtliche Mitstreiter, Helfer und Unterstützer leisten Großartiges, nicht nur zu Weihnachten, damit „die Arbeit“ geleistet werden kann. Dafür bin ich vielen Menschen sehr dankbar.

Die Lokale: Ärgert Sie das Konsumverhalten der Gläubigen zur Feier der Geburt Jesu?

Paul Kollar: Ich komme aus einer Vergangenheit, in der Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu, „größer“ gefeiert wurde als Weihnachten. Weihnachten, ein Fest, und schon Advent und schon die Vorbereitung darauf, sich einer erlösten Welt hingeben, das tut jeder auf seine Art. Was ist es eigentlich, das uns das erhabene Gefühl des „Erlöstseins“ verschafft!? Welches Maß das richtige, welche Einstellung an Konsumdenken die richtige ist, darüber möchte ich nicht urteilen. Durch manches Geschenk kann diese Freude über das Erlöstsein durchscheinen.

Die Lokale: Wie steht es mit denen, die keiner Kirche angehören? Dürfen auch sie Weihnachten feiern? Paul Kollar: Das wäre für mich mit der Antwort zur vorhergehenden Frage schon beantwortet.

Die Lokale: Braucht es mehr Frauen in der Kirche, auch als Pfarrer? Im Neuen Testament gibt es keinen Hinweis, dass Frauen kein Weiheamt ausüben dürfen? Warum hält die Kirche daran fest?

Paul Kollar: Viele religiöse Traditionen haben dazu beigetragen, dass Frauen eine untergeordnete Rolle zugeschrieben wurde. Die symbolische Macht einer jahrhundertelangen frauenfeindlichen Interpretation mancher religiösen Texte und Traditionen wirken bis in die Gegenwart hinein. Wer die Bibel im Horizont der befreienden Botschaft liest, kann viel zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen. Denn vor Gott sind wir alle gleich. Die Welt braucht die Freiheit eines Christenmenschen, sie braucht bestimmt keine Geschlechtergleichheit, sondern eine Geschlechtergerechtigkeit. Sind Frauen und Weiheamt mit Geschlechtergleichheit und Geschlechtergerechtigkeit automatisch in Verbindung zu bringen?! Weihe ist kein Menschenrecht. Im Neuen Testament gibt es keinen Hinweis, dass Frauen kein Weiheamt ausüben dürfen, es gibt aber auch keinen Hinweis, dass sie es tun sollen. Der Priesterberuf ist eine Berufung, die von Gott kommt. Und diese Berufung ist eine Berufung zum Dienen. Maria Magdalena war nicht im Abendmahlssaal dabei –aber sie ist erste Zeugin der Auferstehung, Apostolin der Apostel. Frauen haben ihr eigenes Charisma, mit dem sie über Jahrhunderte hinweg die Kirche geformt, gestaltet und bereichert haben, ein Charisma, das gerade in unserer Zeit dringend gebraucht wird und das bestimmt auch außerhalb eines Weiheamtes Frucht bringen kann. Natürlich bedarf es in unserer Kirche eine Stärkung der Rolle der Frau -auch in leitenden Ämtern und Diensten, dort wo sie ihre Kompetenzen und Stärken gefragt sind: vielleicht nicht unbedingt in einer hierarchischen Weihe, aber in einer großen Liebe und Loyalität zur Kirche.

Die Lokale: Was machen Sie an Heiligabend, wenn der letzte Gottesdienst gehalten ist?

Paul Kollar: Die Gottesdienstordnung unserer Pfarrgruppe gibt zur Genüge Aufschluss, wann bei mir Heiligabend beginnt und die Gottesdienste am Ersten Weihnachtstag sich fortsetzen. Ich darf mit vielen Menschen, Groß und Klein, Gottesdienste, Heiligabend -das Fest feiern.

Die Fragen stellte Helene Braun.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.