Kein Durchkommen. Spätestens hier soll eine Amokfahrt enden. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Auch die Stadt Mainz schützt ihren Weihnachtsmarkt vor möglichen terroristischen Anschlägen. Zumindest Amokfahrer hätten kaum Chancen, mit einem Schwerlaster mit hoher Geschwindigkeit in die Budenstadt zu fahren – so geschehen 2016 beim Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz vor knapp drei Jahren.

Denn sogenannte „Truck-Blocs“ sorgen dafür, dass das Fahrzeug abgebremst und schließlich zum Stillstand gebracht wird und zwar noch vor dem Eingang zum Weihnachtsmarkt – zumindest im Bereich der Ludwigsstraße. Rund 200000 Euro lässt die Stadt sich diese dreifach gestaffelte Sicherheitsmaßnahme kosten, die Katrin Eder (Grüne) als zuständige Dezernentin jetzt vorstellte. Der Weihnachtsmarkt am Dom wird am 28. November eröffnet.

Insgesamt drei solcher Barrieren sichern den Weihnachtsmarkt im Bereich Ludwigsstraße ab. Foto: Ralph Keim

Damit reagiert die Stadt auch auf darauf, dass sich die Ludwigsstraße als schnurgerade Magistrale nun einmal bestens anböte, um mit einem Schwerlaster ausreichend Fahrt aufzunehmen und schließlich in den Weihnachtsmarkt zu „brettern“. Dreifach gestaffelte „Truck-Blocs“ sorgen dafür, dass der Fahrer beziehungsweise das Fahrzeug nicht nur abgebremst, sondern auch komplett zum Stillstand gebracht wird. Dies gelte auch für den Fall, dass ein Fahrzeugführer gesundheitlich nicht mehr in der Lage wäre, sein Fahrzeug abzubremsen.

Für das neue Konzept hat die Stadt den externen Gutachter Christian Schneider vom Fachbüro „Initiative Breitscheidplatz“ engagiert. Diese Initiative hat sich nach dem Anschlag in Berlin gegründet und berät Kommunen bei der Absicherung großer Feste, beispielsweise wenn es darum geht, den Weihnachtsmarkt abzusichern. „Es bringt beispielsweise nichts, große Betonklötze aufzustellen“, erläuterte der Fachmann vor Ort.

Rase ein als terroristische Waffe eingesetzter Schwerlaster auf einen solchen Betonklotz zu und ramme diesen, werde die vermeintliche Sicherheitsmaßnahme einfach zerstört, ohne den Laster aufzuhalten. „Und die herumfliegenden Betontrümmer sorgen vielleicht zusätzlich für Tote und Verletzte.“ Das Konzept der „Truck-Blocs“ lasse die Wucht eines mehrere Dutzend Tonnen schweren Fahrzeugs verpuffen.

„Es geht hier nicht um Panikmache“, unterstrich Dezernentin Eder. Vielmehr sende die Stadt mit den auch optisch nicht zu übersehenden Pollern ein deutliches Signal. „Außerdem stehen wir als Stadt in der Pflicht, die Besucher des Weihnachtsmarktes ausreichend zu schützen.“ Und einfach ein großes Müllfahrzeug entsprechend zu parken, reiche nun einmal nicht aus, ergänzte Fachmann Schneider, der die Situation vor Ort genau analysiert habe, bevor das entsprechende Konzept vorgelegt habe.

Mit den Barrieren müssen in der Lugwigsstraße aber auch die Linienbusse auskommen, die nun vier Wochen lang „Schlangenlinien“ fahren müssen. „Doch das ist das kleinere Übel“, so die Dezernentin. Kleine Umwege und Unannehmlichkeiten müssen Bürger mit Rollatoren, Rollstühlen und Kinderwagen auf sich nehmen. „Alles in allem reagieren die Bürger allerdings durchweg positiv auf diese Art der Sicherheitsmaßnahme“, zeigte sich Schneider überzeugt.

Der Aufbau ist inzwischen abgeschlossen. Foto: Ralph Keim

Zumindest während des Aufbaus wurden sie Sperren von zahlreichen Bürgern schon mal fotografiert. Nicht untätig wird auch die Polizei sein, die den fließenden Verkehr in der Ludwigsstraße verstärkt kontrollieren wird. Denn eigentlich dürfen hier nur Linienbusse, Taxis und Anlieferer fahren.

Teilen
Vorheriger ArtikelKunst aus dem Computer
Nächster ArtikelWenn Kunst auf Äpfel trifft
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“