Ramon Chormann ist Meister der Mimik und Gestik. Foto: Helene Braun

HARXHEIM – Immer etwas steif in den Bewegungen, in der Mimik und den sparsamen Gesten sehr sprechend, mit spontanen Einwürfen und dem Kontakt zum Publikum, so kennt man den Kabarettisten Ramon Chormann als Pälzer und so hatte er das Publikum in der vollbesetzten Harxheimer Sporthalle schnell im Griff. Der Harxheimer Karneval Verein HKG startete mit diesem Auftritt unter dem Titel „Ferz mit Krigge“ in die Kampagne 2019/20. Es war die vierte Spendenveranstaltung zu Gunsten des Mainzer Hospizes, wie Frank Flesch, 2. Vorsitzender im HKG, ankündigte. Den Narrhalla-Marsch allerdings musste das Publikum selbst singen.

Wenn Chormann Spaß macht, lamentiert er, meint er die Sozialkritik ernst, spricht er entschlossen. Aber erst wird mal etwas lamentiert. Am Bett hat er sich den Fuß gestoßen und ärgert sich: „Ich bin so bleed, ich kennt grad Amerika regieren.“ Und so bleibt er vorerst bei der Politik, bevor er zu den anderen Ferz kommt. Bei den Übertragungen aus dem britischen Unterhaus dachte er an einen Horrorfilm. In Deutschland ist es nicht viel besser. Für die Verteidigung habe man „jemand aus dem Nichts gezaubert“, aus dem Saarland nämlich, die „Karregret“.

Und dann springt Chormann noch ins Jahr 2039: „Der Brexit ist noch einmal um 100 Jahre verschoben, der Berliner Flughafen wird ein Jahr später eröffnet, ein Jahr vor Stuttgart 41.“ Was Ferz mit Krigge sind, wissen die Rheinhessen eigentlich, aber Chormann erklärt: „Es sind Dinge, die wir alle haben, aber eigentlich nicht brauchen.“ Im übertragenen Sinne könnten es auch überzogene Erwartungen sein. Und er blickt nach der Außenschau auf das Innere des Menschen und seine Bedürfnisse. Das Badezimmer gerät zum Spa-Erlebnis. Ein normales Handwerk gibt es nicht mehr, dafür Manufakturen jeder Art wie die Kaffeemanufaktur. Die Humormanufaktur sei nicht zu verwechseln mit der Humorfraktur, die diejenigen betreffe, die im Fernsehgarten auftreten.

Reihenhäuser „un e Rutsch, e Wipp` un e Trampolin“, in jedem Garten dasselbe Bild. Darin sitzt ein einziges Kind. Ferz mit Krigge. Chormann zeichnet nach und nach ein kritisches Bild der Gesellschaft, in der diese Ferz zählen und kommt zum Schluss. „Alles hat sich verändert, noch nicht einmal die Vegetarier kennen heute noch einen Bandsalat.“ Überall findet man die Ferz mit Krigge und sie im Alltag zu bemerken, dafür will Ramon Chormann die Sinne im Publikum schärfen.

Chormann lamentiert über zu spät gekommene Gäste und als ein Glas irgendwo klirrt, kommt spontan: „Kann ich was helfe uffmache?“ Und dann: „Mol es Zusatzfrag`: Geklatscht werd jetzt gar nit mehr?“ Das Publikum hat es beim konzentrierten Lauschen vergessen. Doch das holt es jetzt und ganz am Ende noch reichlich nach.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.