Die Guggeparty der Rhoirevoluzzer sorgte für prächtige Stimmung. Foto: Gregor Starosczyk- Gerlach

MAINZ – Die „Rhoirevoluzzer“ rüsten sich für die Fastnacht. Rechtzeitig zum Start in die fünfte Jahreszeit haben die Guggemusiker im Rahmen einer Guggeparty ihre Kostüme für die Kampagne vorgestellt. „Wir haben die Kostüme für 50 Musiker und Musikerinnen selbst entworfen und selbst geschneidert“, sagte Nadine Koch, Vorsitzende der „Rhoirevoluzzer“.

Im rheinhessischen Kulturkreis gibt es die Guggenmusik, oder wie es an der Grenze zum Mittelrhein in Mainz heißt Gugge-Musik, verstärkt seit etwa 15 Jahren. „Und es wird immer mehr“, so Koch. Prinzipiell komme die Guggenmusik, bei der es darum geht, die Wintergeister zu vertreiben, aus dem schwäbisch-alemanischen Raum. Diese Tradition sei immer mehr gen Norden gewandert. Ein Charakteristikum sind die fratzenhaften Masken und Kostüme, die die Musiker bei ihren Auftritten tragen.

Wenn das Mainzer Publikum beim Rosenmontagszug allerdings Guggenmusik aus dem Süddeutschenraum bewundert, dann könnte es sein, dass sich hinter den Masken und Kostümen echte Profis verbergen. „In der Schweiz kommen in der Tat Musikprofis zusammen, um an Fastnacht die Wintergeister zu vertreiben.“ In und rund um Mainz oder in der Pfalz sei der Hintergrund ein anderer. „Es gibt einen Spalt zwischen der traditionellen und modernen Blasmusik. Ganz lange gibt es beispielsweise die Brass-Bands, die eine perfekte Show und die perfekten Noten abliefern.“ Die hiesige Version der Guggenmusik zeichnet dagegen aus, dass nicht jeder Ton perfekt sein muss.

Ganz im Gegenteil: Die Patzer sind erlaubt, ja gewollt. Das sei vermutlich auch der Grund, weshalb viele Amateurmusiker oder Menschen, die noch nie ein Instrument gespielt haben, sich gerne in solcher Formation musikalisch verwirklichen.

„Die rheinhessische Guggenmusik macht aus, dass jeder mitwirken darf.“ So spielen bei den „Rhoirevoluzzern“ in der Tat Leute, die keine Noten lesen können. „Denen wir es aber von der Pike auf beibringen“, sagt Koch. „Wir sind nicht die Perfektionisten, sondern eine Gruppe von Leuten, die Spaß an der Musik und der Gemeinschaft haben und die versuchen, sich da ein bisschen zu verwirklichen.“

Nicht anders als spaßig ging es bei der Party zu. Eine Gruppe nach der anderen sorgte für ausgelassene Stimmung im vollbesetzten Saal: Die Stobblhobblä aus Forst, die in und um Mainz mittlerweile zu Stammgästen diverser Gugge-Festivals gehören, die Räbefätzer aus Dürensimmern bei Heilbronn, die Sulmanafetza aus Neckarsulm, die Nodepirate aus Sulzbach/Saar und die Pälzer Scholleklopper aus Römerberg-Berghausen.

Wichtig ist dem Verein das caritative Engagement. So wurde der Erlös der Party komplett zugunsten der Bärenherz Stiftung gespendet, die sich um Familien mit unheilbar kranken Kindern kümmert.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.