Guntram Althoffs Erstlingswerk „Der Null-Promille-Winzer“ unterhält weinselig statt bierernst.

INGELHEIM – Eine dunkelhäutige Rotweinprinzessin? Eine solche hatte die Rotweinstadt noch nicht, zumindest in der realen Welt. Im Roman von Guntram Althoff, der vor Kurzem erschienen ist, dagegen schon. Sie heißt Johanna Sprüngli, stammt aus Südafrika und ist als Adoptivkind in der Schweiz aufgewachsen. Wieso ihr die Ehre zuteil wurde, können die Leser von „Der Null-Promille-Winzer“ nachlesen.

Die Majestät ist nicht die einzige Figur, die sich im Roman skurril bis aufrüttelnd die Ehre geben. Eine andere ist der Titelheld: der abstinente Winzer. Althoff, Sozialpädagoge von Beruf, ist ein schriftstellerischer Quereinsteiger. Zum 200. Jubiläum von Rheinhessen reichte er für einen Autorenwettbewerb des Landkreises eine Kurzgeschichte ein. Sie gefiel der Jury. Althoff, der seit 1998 im Rheingau lebt und in Ingelheim als Schulsozialarbeiter tätig war, erreichte mit drei weiteren Autoren die Endrunde. „Die Geschichte wurde zur Keimzelle des Romans und bildet heute deren erste drei Kapitel.“

Die feierliche Abschlusslesung des Wettbewerbs hat damals übrigens im Weingut Wasem stattgefunden, erinnert sich Althoff. Einem wichtigen Ort für den Roman und den Autor. „Ich habe aus Wasems Kloster Engelthal das Weingut Kloster Teufelsberg gemacht.“ Damals suchte und fand Althoff bei der Winzerfamilie „große Unterstützung“, erinnert er sich an die Gespräche und allerlei önologische Erläuterungen, die ihm Holger Wasem gab. „Begriffe wie Primitivo, Rosé oder Barrique sind nicht allen geläufig.  Ich habe mich bemüht, dies alles in Erzählsträngen zu erläutern.“

Nicht zuletzt haben ihn die positiven Rückmeldungen von Personen, die einzelne Kapitel vorab lesen durften, „ermuntert, dran zu bleiben“, sagt der 1965 in Dorsten geborene Althoff. Die Inspiration, die Ingelheimer Rotweinmajestät aus der Fremde stammen zu lassen, hänge mit den zeitgeschichtlichen Ereignissen zusammen. „2015/16 erreichten bekanntlich sehr viele Menschen auf der Flucht Europa und suchten auch in Deutschland eine neue Heimat.“ Die ernste Frage, wo denn eigentlich die Heimat sei, schwingt daher in dem heiteren Buch deutlich mit. Althoff nennt Jonas Jonasson als sein Vorbild.

Ihm gefalle der Schreibstil des Autors von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. „Etwas absurd und voller überraschender Wendungen und Anekdoten.“ Als eine solche Anekdote verwendet er im Roman der Glykolwein-Skandal, besser bekannt unter dem Namen Frostschutzmittelskandal. Über seinen Schreibstil sagt Althoff, der bisher ein paar Kurzgeschichten geschrieben und als Freier Mitarbeit für mehrere Zeitungen tätig war: „Ich habe weinselig und nicht bierernst geschrieben“. Gerne würde er nun viele Lesungen in den Weingütern haben: „So wie es passt, mit einem Glas Wein für die Zuhörer“.

Eine davon könnte bald in Wasems Kloster Engelthal folgen. „Vielleicht in Kooperation mit der Buchhandlung Wagner, die das Buch vorrätig hält“, sagt Karin Wasem, die eines der ersten Exemplare entgegengenommen hat. „Wir haben es noch nicht gelesen, aber werden es tun.“ Und eine exotische Rotweinmajestät? „Die Rheingauer in Martinsthal wählten 2016 eine junge Frau mit philippinischen Wurzeln zur Weinprinzessin, mittlerweile ist sie Weinkönigin.“ erwähnt Althoff. Auch die Trierer Winzer krönten vor drei Jahren eine syrische Christin zur Weinkönigin. „Das ist ein Teil Deutschlands. Wir sind ein buntes Land, alle gehören dazu.“

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.