Das Wasser kommt wo möglich aus einer der Quellen, die das römische Aquädukt gespeist haben (v.l. Agnes Wintrich, Freyja und Matthias Jansky). Foto: Helene Braun

FINTHEN –Es war bei weitem nicht das erste Mal, dass der Heimat-und Geschichtsverein zur Führung durch die Gewölbekeller der Familie Jansky Am Königsborn einlud, dennoch waren so viele Menschen gekommen, dass Agnes Wintrich, stellvertretende Vorstandsvorsitzende, beschloss, zwei Gruppen zu bilden. Während die erste mit Eigentümer Matthias Jansky und seiner Tochter Freyja im Gewölbekeller ihre Tour machten, erklärte Wintrich zur Einstimmung draußen an der gefassten Königsbornquelle die Bedeutung des Wassers für Finthen, was gerade im Zusammenhang mit der ehemaligen Königsbornbrauerei wichtig ist, die einst in den Kellern ihre Produktionsstätte hatte.

Staunen war erst einmal angesagt. Der ehemalige Bier-und Eiskeller ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit, er hat auch eine lange Geschichte, die Matthias Jansky mit dem Verein erst erforschen musste. Er ist ebenso Mitglied im HGV wie seine Mutter Annemarie. Natursteine, Gänge, mehrere Kammern und sogar Wasser finden sich in den Gewölben, wo Jansky jetzt ein Schlauchboot deponiert hat, das vor allem die neunjährige Tochter Freyja gerne nutzt. Das Wasser könne, so Jansky ein Hinweis darauf sein, dass an dieser Stelle eine der Quellen, die das Aquädukt speisten, zu Tage trat. Der Hauseigentümer ließ die Gäste das Alter schätzen. Nein, von den Römern stammt der Keller nicht, aber es besteht ein Zusammenhang. Es sind Steine aus der Römerzeit verbaut und bekanntermaßen verlief von Finthen das Aquädukt in die Stadt hinunter.

Beeindruckend sind die Gewölbekeller, deshalb
kommen immer viele Gäste zu den HGV-Führungen. Foto: Helene Braun

Finthen ist ein sehr wasserreiches Gebiet, schon der Name ad fontes (zu den Quellen) weist darauf hin. Bereits in vor römischer Zeit gab es die Bachläufe Aubach, Kirchborn und Königsborn. Zur Einstimmung in die Thematik der Königsbornbrauerei erläuterte Agnes Wintrich an der gefassten Königsbornquelle die Bedeutung des Wassers für Finthen. Im Mittelalter stand am Königsborn eine Mühle, die im Jahr 1868 verkauft wurde. Dort wurde dann Mitte des 19. Jahrhunderts das Brauerei-Anwesen gebaut mit großem Garten und Bewirtschaftung. Jansky: „Für die Lagerung von Bier waren die konstante Temperatur von zehn Grad und die hohe Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent im Keller äußerst günstig.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der Betrieb aufgegeben werden. Das Anwesen wurde verkauft. Ein Teil wurde zu Wohnungen umgebaut, den anderen Teil kaufte die Familie Jansky und richtete dort eine Lederwarenfabrik ein. Nach Aufgabe der Produktion wurde das Fabrikgebäude verkauft. Familie Jansky baute das restliche Anwesen zur Wohnung um und lebt auch heute noch dort. Beim spannenden Vortrag richtete Tochter Freyja die Taschenlampe auf besondere Details. Worauf die Gemälde in einem Raum, den Jansky des Kamins und der steinernen Sitzecke wegen den Probierraum nennt, hindeuten und woher sie kommen, kann er nur schätzen. Im Krieg wurde der Keller als Luftschutzbunker genutzt. Wer einen virtuellen Rundgang durch die Gewölbe machen will, kann dies unter http://tours.panorama-fachmann.de/190316_unterwelt.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.