Passt auch nicht wirklich zusammen: eine Mülldeponie direkt neben dem von HeidelbergCement vorbildlich renaturieren Steinbruchgebiet in Weisenau. Foto: Helene Braun

LAUBENHEIM – Wo die BI „Keine Mülldeponie im Laubenheimer Steinbruch“ im Frühjahr noch der SPD und Grünen vorwarf, nämlich Wahlmanipulation durch das vorschnelle Vorgehen im Jahr 2015 in Sachen Deponie betrieben und das Thema damit aus dem Landtagswahlkampf 2016 herausgehalten zu haben, machten die Mitglieder jetzt drei Tage vor der OB-Wahl Stimmung gegen Michael Ebling. Mittlerweile ist auch der Sprachgebrauch ein anderer geworden, es ist die Rede von einer Sondermülldeponie, was Grünen-Vertreter Franz Horak bei der Infoveranstaltung im Wilhelm-Spies-Haus scharf kritisierte. „Ich gehe in vielen Punkten mit Ihnen konform, aber die Stadt hat keine Sondermülldeponie beantragt, das ist doch etwas zu manipulativ formuliert.“ Im Übrigen seien Giftstoffe wie Dioxin oder Asbest aus dem Positiv-Katalog herausgenommen worden.

Die Argumente der BI wiegen dennoch schwer, die Stadt reagiere nicht darauf, das ist das, was die Sprecher Antonio Sommese, Robert Kindl und die Chemikerin Dr. Gitta Weber und ihre Mitstreiter im Verlauf ihres bislang vierjährigen Kampfes gegen die Errichtung einer Mülldeponie im Steinbruch so wütend macht. Bereit den Klageweg zu beschreiten, machte Sommese noch auf die Anhörung zu den Einwendungen durch die SGD Süd aufmerksam und hofft auf rege Beteiligung und ein Einsehen der Genehmigungsbehörde. Die Argumente sind großenteils nicht neu (wir berichteten mehrfach).

Was manche in Laubenheim noch nicht wussten: Es sind 10.632 Bohrungen notwendig, um den porösen Untergrund zu stabilisieren. Erschütterungen könnten Risse an den Häusern bilden. Die Kosten beliefen sich mittlerweile auf das Doppelte des von der Stadt angesetzten Betrages, Krebs erzeugende Schwermetalle, asbesthaltiger Bauschutt, dioxinhaltige Filterstäube kämen auf die Wohngebiete, die bestehenden und die in Planung zu. Für die Hechtsheimer Höhe, wo auch eine Kita geplant ist, betrage der kürzeste Abstand 110 Meter. Für Weisenau und Laubenheim sieht es nicht sehr viel besser aus.

Gitta Weber: „Das Luft-Gutachten ist falsch, Giftstoffe dringen bis ins Wohngebiet.“ Dem Gutachten nach fielen die Stäube genau am Zaun wieder herunter. Weitere Risiken wie die Verseuchung von Grundwasser und das, was die BI die Baukostenlüge nennt, wurden von den Mitgliedern erläutert. „Entweder zahlt ganz Mainz oder wir nehmen wirklich jeden Dreck“, so Weber.

In der Tat sei es so, sagte Franz Horak, Mitbegründer der Bundespartei Bündnis 90/Die Grünen, „dass wir keine reine Bauschuttdeponie bekommen.“ Aber er sehe auch das Genehmigungsverfahren noch sehr offen. „360 Meter zur nächsten Laubenheimer Bebauung sind schon strittig, wir bräuchten 1000 Meter für die Deponieklasse II. Wenn das jetzt auf 110 Meter geht, ist das Ding tot für meine Begriffe.“

Über die BI, die Argumente und die Termine kann man sich informieren unter www.mainz21.de.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.