Der Paulinerchor trumpft mit jungen Stimmen auf. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

GONSENHEIM – Sie haben tolle Stimmen und viel Lust zu Singen. Beim Einsingen in der ersten Chorprobe zum Wintersemesterstart zeigt sich der „Paulinerchor“ voller Elan. Trotz der widrigen Umstände, die die Sängerinnen und Sänger derzeit und noch eine Weile werden ertragen müssen.

Doch eins nach dem anderen. „Der Paulinerchor ist ein gemischter Chor, der vor über 50 Jahren innerhalb der Leipziger Universitätssängerschaft zu St. Pauli in Mainz entstanden ist“, erzählt Marie-Luise Taube. Hinter dieser studentischen Verbindung steht eine bald 200-jährige Geschichte, in der viel gesungen wurde. Vor dem Zweiten Weltkrieg in Leipzig beheimatet, wagte die Sängerschaft 1953 den Neuanfang fern der Heimat: in Gonsenheim. „In Leipzig hatte die Sängerschaft das Privileg, die Gottesdienste an der Universitätskirche zu St. Pauli musikalisch zu gestalten.“

Der Chor und die Verbindung seien ein reiner Männerclub gewesen, sagt Taube, die ihren Mann dort kennenlernte. „1967 entschied ein junger Dirigent, den Chor für Frauenstimmen zu öffnen.“ Taube, eine der Sängerinnen der ersten Stunde, sitzt seit Januar 2019 dem Förderverein des Paulinerchors vor.

Das Zuhause, das die „Pauliner“ im Großen Sand 32 fanden, bestand aus einem Haus in den Obstfeldern. Später erweitert, geriet es zunehmend in einen maroden Zustand, bei dem in der Gegenwart keine Renovierung in Frage kam. „Ende Oktober wird das ,Paulinerheim‘, das auch ein Studentenheim gewesen ist, abgerissen“, so Taube. „Wir hoffen, dass der Neubau rechtzeitig zum200. Jubiläum der Sängerschaft in 2022 fertig sein wird.“ Entstehen soll ein vierstöckiges Haus mit 20 Studentenzimmern und einen modernen Proberaum. Einem, der dem Vermögen der Sänger entsprechen soll und der weit besser ist, als die widrige Containerlösung.

„Manche Menschen hegen Vorurteile Verbindungen gegenüber“, meint Taube. Sie hebt einen Unterschied hervor. Die Sängerschaft habe zwei Prinzipien miteinander kombiniert: „Die lebenslange Freundschaft über Generationen hinweg hat sich ausschließlich der qualitätsvollen musikalischen Arbeit gewidmet.“ So kommen auch die Mitglieder des Fördervereins mehrheitlich aus der Universitätssängerschaft. „Jedoch ist jeder, der die Musik des Chores liebt und fördern möchte, bei uns willkommen.“

Der Förderverein will dem Chor helfen, aus dem Schatten hervorzutreten. „Wir möchten ihn in Gonsenheim sowie darüber hinaus bekannter machen und besser vernetzen.“ Auftritte im Stadtteil gab es häufiger. „Die Programme bewegen sich in verschiedensten Varianten zwischen Pop und Klassik.“ Die mehrstimmige Darbietung während der Probe deutet an, dass der Paulinerchor den ästhetischen Genuss fördert.

Das Jubiläum in 2022 soll indes mit etwas Großem begangen werden, kündigt Taube an. „Vielleicht kommt Mendelssohns Oratorium Elias zur Aufführung. Oder ein vergleichbares Werk.“ So oder so. „Wir würden gerne mit Hilfe von Sponsoren dafür ein Orchester engagieren.“

Überzeugen können sich die Zuhörer davon, am 1. Dezember, 15. 30 Uhr: Der „Paulinerchor“ singt in Gonsenheim beim Adventsbasar in der Pfarrer-Grimm Anlage.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.