Ganz schön turbulent geht es zu auf der Bühne: Oma Maria klagt ihren Schwiegersohn des Michelmordes an. Foto: Helene Braun

GAU-BISCHOFSHEIM – Alles dreht sich um „Kohle, Moos und Mäuse“ in der Komödie von Bernd Gombold, einem der beliebteren Schwank-Drehbuchautoren. Sorgfältig ausgewählt hat Regisseurin Maria Eifler dieses Stück, denn es enthält witzige Dialoge und einen beträchtlichen Spannungsbogen. In der Regel genügt es bei Laienspielgruppen, dass sie selbst Freude an ihrem Tun haben, das Publikum lacht und die Protagonisten des Stücks als die eigenen Nachbarn wiedererkennt. Bei der Theatergruppe der „Fidelen Brüder“ aber wird schnell klar: Die können wirklich was. Jeder Dialog, jede Geste, die Mimik kommen so authentisch rüber wie man es sonst nur von Profis kennt, sicher auch ein Verdienst der Regisseurin. Am Ende geriet das Publikum im Bürgerhaus beim Applaus und andauerndem Jubel geradezu aus dem Häuschen.

Wolle aufwickeln, ein fast unlösbares Problem für Michel und Leni. Foto: Helene Braun

Michel (Lukas Engelhardt) ist so dumm, dass er die Kartoffeln nur mit einem stumpfen Messer schälen darf und jeden Tag ein Loch graben muss, damit er überhaupt etwas zu tun hat. Dieses Loch wird zum Fallstrick für alle möglichen Spekulationen und Verwicklungen, denn Michel ist verschwunden. Nach einer Nacht mit der Prostituierten Lolita (Simone Körner), die aus ihm einen richtigen Mann machen sollte, taucht er nicht mehr auf. Die Schwerhörigkeit von Oma Maria (Alexandra Lasrich) trägt ihren Teil dazu bei, dass die Handlung Fahrt aufnimmt. Alles Schlimme hat sie schon immer geahnt und ihr ständiges „O Elend, o Elend“ überträgt sich leicht aufs Publikum, das bald in den Ruf einstimmt, der Running Gag des Stückes. Einen weiteren Slogan zum Mitrufen prägt Nachbarin Rosa (Bärbel Malisius) mit „und Geld a hammer jo kaans.“ Mit ihrem Mann Otto (Bernd Wehrum) plant sie einen Betrug, denn sie halten Michel, der plötzlich im Lotto gewonnen hat, für tot. Große Sorgen um Michel macht sich aber deren unterbelichtete Magd Leni, gespielt von Katharina Wuttke, einem Schauspieltalent erster Güte, wie man feststellt. Warum eine Nacht mit Lolita Michels Dummheit heilen soll, erhellt sich zwar nicht, aber die Allerklügsten scheinen alle nicht zu sein, auch Michels Eltern Magda und (Christine Engelhardt) und Albert (Jürgen Furrer) nicht. Albert hat mit seinem Freund Otto in der Nacht beim Traktorrennen das halbe Dorf zerstört und das ruft die Polizei in Gestalt von Michael Knab auf den Plan. Und köstlich, wie Mathias Böhm den betrunkenen Lotterieinspektor und Michel Bucher temperamentvoll und entschlossen den Viehhändler geben, der über ein Gewehr verfügt.

Auf jedes Detail ist geachtet an diesem Abend, temporeich wird die Handlung vorangetrieben durch die Darsteller, die immer in Bewegung sind, auch im Hintergrund. Es ist das Agieren der Schauspieler, das den Witz aus den Textstellen erst greifbar und zum Brüller macht.

Weitere Vorstellungen im Bürgerhaus gibt es am Freitag und Samstag, 25. und 26. Oktober, 19 Uhr. Einlass eine Stunde vorher.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.