Eine Aufnahme von Bodo Witzke, die ihm sowieso, aber auch dem Publikum beim Fotovortrag des Fotografen ausgesprochen gut gefiel. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

ESSENHEIM/KLEIN-WINTRENHEIM – Bodo Witzke ist Fernsehjournalist, Dokumentarfilmer, Fotograf, Cartoonist und Buchautor. In der Reihe der medialen Fertigkeiten, die der Klein-Winternheimer beherrscht und die stets mit Geschichten zu tun haben, hat er zuletzt als Barde geglänzt.

Für seinen Foto-Vortrag „Die kleine Wildnis nebenan“ in Essenheim brachte Witzke eine Vielzahl digitaler Ansichten mit, die er „auf der Suche nach der Natur“ auf den rheinhessischen Pfaden in den letzten Jahren durch sein Fotoobjektiv sah und festhielt. Mit unterhaltsamen Kommentaren versehen, glich sein Auftritt eben dem eines Versschreibers, der die einheimische Fauna und Flora besang. Unbestreitbar durfte die Einzigartigkeit und Schönheit der Landschaft mit ihren sanften Hügeln dem Großteil der Menschen in der Region gegenwärtig sein. Den etwa 50 Zuschauern im Essenheimer Kunstforum, die der Einladung des örtlichen Dorf- und Geschichtsvereins gefolgt waren, legte der Fotograf eindeutige Beweise für deren Attraktivität vor. Durch manche außergewöhnliche Aufnahme erschienen sodann die Tiere und Pflanzen auf der Leinwand aus einer solchen Nähe, die ihre Zartheit und Verletzbarkeit unterstrich. Wie jene Fotos vom Steinkauz, der in Rheinland-Pfalz zu den stark gefährdeten Arten zählt. Ein Schutzprogramm in Rheinhessen zeige, so Witzke, dass die „rheinhessische Eule“ aber auch in intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen mit gutem Erfolg brüten könne.

Ohne die bisweilen poetische Bildersprache zu übertönen, berichtete Witzke auch von seinem „Eindringen in den Garten Eden“, oder die „Arche Noah“, wie er die Schutzzone hinter den Mauern der Mainzer Zitadelle nannte, „als das Betreten des Zitadellengrabens noch möglich war“. Aktuell saniert die Stadt naturverträglich das historische Mauerwerk. Über 54 Vogelarten sollen inzwischen in dem „Refugium mitten in Mainz“ ein Zuhause gefunden haben. Weitere fotografische Exkursionen führten zur Grünen Brücke in Mainz und zum Gonsbachtal, wo Witzkes Bilder die „Rückeroberung des Raumes durch die Natur“ feierten.

Am liebsten aber, so schien es, verweilte er in Klein-Winternheim. Wie zum erneuten Beleg dafür, dass der Mensch den Raum mit Flora und Fauna durchaus teilen könne und dies vielleicht auch zum eigenen Vorteil tun sollte. Die Bilder von den zahlreichen Ausflügen in die anderthalb Hektar große Ausgleichsfläche überraschten mit paradiesisch kolorierten Schmetterlingen und Blumen im „explosiven Spiel der Farben“.

Die Stimme des Barden ähnelte aber auch jener des Predigers in der Wüste. „Das Verschotten und Versiegeln der Gärten schreitet voran“, sagte er. Später stellte er nacheinander die zarten Bewohner des Mainzer Sandes vor: Den blauen Storchenschnabel, das gelbe Sandsteinkraut, Federgras und das Frühlingsröschen. Barde hin oder her: Auf jeden Fall besitzt die rheinhessische Natur in Witzke einen eifrigen Fürsprecher.

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