Spaß am Lernen in den Ferien ist kein Widerspruch: „climb-Lernferien“ in der Grundschule auf dem Lerchenberg beweisen es. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

LERCHENBERG – Freiwillig in den Schulferien in die Schule gehen? Wer macht denn so was? In Mainz etwa 130 Kinder. Unter anderem in Lerchenberg, in Mombach und in der Neustadt. Was auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig klingt, ist ein Angebot von „climb-Lernferien“. Die 2012 in Hamburg gegründete gemeinnützige GmbH zeigt seit 2016 auch in Mainz Präsenz. „Wir wollen den Kindern zeigen, wie sie mit Spaß lernen können und ihn im Schulalltag beibehalten“, sagt Anna Dremel, die Lokalkoordinatorin in Mainz. Das Ferienprogramm will vor allem zur Chancengleichheit beitragen. Jedes 5. Kind in Deutschland lebt in Armut, so die Organisatoren. Arme Kinder starten mit ungleichen Chancen ins Leben. Sie brauchen besondere Förderung. Der Besuch in der Grundschule auf dem Lerchenberg zeigt, wie konsequent und erfolgreich die Zielrichtung von „climb“, was im englischen so viel wie klettern bedeutet, angepeilt wird. Der Name stammt jedoch aus den Anfangsbuchstaben von „clever lernen, immer motiviert bleiben“. Die Zauberformel ist der spielerische Ansatz. Mit einem Sammelsurium an Spaß-Elementen unterrichten die ehrenamtlichen Lehrer, zumeist Lehramtsstudenten, die Kinder der ersten bis vierten Klasse. „Sie setzten da an, wo das jeweilige Kind gerade steht“, so Dremel, „und an dem was das Kind bereits kann“. An den Vormittag stehen Deutsch und Mathematik im Stundenplan. Pausen und gemeinsames Frühstück und Mittagessen sind fest integriert. Am Nachmittag ist Zeit für Projekte zum Forschen, zur Ernährung oder zu Traumberufen, die die Lehrer anbieten. Der Blick in einen Klassenraum im zweiten Stock der Grundschule zeigt, wie gut die Kinder das Angebot annehmen. Zwei Lehrkräfte betreuen den Unterricht. Sie nehmen sich Zeit.

Nach der Lernphase gehen die Schüler in einem Bewegungsspiel mal kurz „Auf die Löwenjagd“. Sie mit Hingabe mit. Davor haben sie noch kurze persönliche Botschaften an die Lehrer verfasst. Die Briefe wandern in die Umschläge an der Tür im Flur. Am dritten Tag scheinen gefaltete Papierfiguren der Renner zu sein: Kleine Flugzeuge beispielsweise mit Grußbotschaften landen in den Briefkästen adressiert an „Herrn Focke“ oder „Frau Kilburg“. Auch die Kids erhalten Antwortbriefchen. Die Lehrer profitieren gleichfalls von ihrem Einsatz. Das Programm bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Berufswahl vor echtem Publikum zu testen. Das Engagement, bei dem sie interaktive Workshops zu Themen wie Stressmanagement, Leadership, Work-Life-Balance, Diskriminierung im Klassenzimmer oder zur Nähe und Distanz im Schulalltag besuchen, wird als Praktikum anerkannt. Climb-Lernferien finanzieren sich durch Zusammenarbeit mit Kommunen, Stiftungen und weiteren Förderpartnern.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.