v.l. Ralph Spiegler, Gracia Schade, Stephan Möllers, Doris Hormel. Foto: Helene Braun

VG NIEDER-OLM/STADECKEN-ELSHEIM – Menschen mit Fluchterfahrung, einer Behinderung oder auch Alleinerziehende bringen Vielfalt in den Job, haben aber oftmals Probleme, in den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen. Beim Arbeitgeber-Frühstück, einer Maßnahme vom „Kommune Inklusiv“, ging es beim Austausch von Arbeitgebern und Sozialverbänden im Weingut Mengel-Eppelmann darum, wie man mit Mitarbeitern oder Azubis mit Fluchterfahrung oder einer Behinderung umgehe. Dies thematisierten Doris Hormel vom Projekt „IQ Service Interkulturalität und Vielfalt in der Arbeitswelt“ der Arbeit & Leben GmbH und Gracia Schade, Netzwerk-Koordinatorin des Projekts Kommune Inklusiv, Vorsitzende des Inklusionsbeirats der VG Nieder-Olm und Inklusionsbeauftragte des Landkreises.

Gracia Schade erklärte: „Wir wollen die Integration in den Arbeitsmarkt von Menschen mit Teilhabeschwierigkeiten stärken und mit den Arbeitgebern in Austausch kommen.“ Hier hat die VG schon einiges erreicht. Bereits 2010 zeichnete das Bundesfamilienministerium Nieder-Olm als „Ort der Vielfalt“ aus.

In der Kindheit von Ralph Spiegler lebten behinderte Menschen am Rande des Ortes in einem Heim. „Später hat man sie integriert, heute reden wir von Inklusion“, erklärte der VG-Bürgermeister, selbst Arbeitgeber einer großen Verwaltung. Raumausstatter Stephan Möllers berichtete von einem jungen Syrer, Typ Schwiegersohn und sehr sympathisch. „Bis er in die Berufsschule kam. Dass er so wenig verstand, frustrierte ihn so, dass er die Lehre abgebrochen hat“, erzählte Möllers. Möllers sieht die Probleme in der Gesetzgebung und deren Handhabung. Schon bei der Zuteilung von Wohnungen für Flüchtlinge müsse man durchmischen, damit sie die deutsche Sprache erlernen.

Allgemein gehe die Leistungsfähigkeit der Lehrlinge zurück, befand Möllers und das habe nichts mit Migration oder Behinderung zu tun. Er würde sich eine Plattform wünschen etwa bei der Handwerkskammer, die den Arbeitgebern die Ängste nähme oder bei den Jobcentern eine Beratung für Arbeitgeber, die „Menschen einstellen wollen, die nicht so hoch im Kurs auf dem Arbeitsmarkt stehen“. Sein Fazit: „Die Berufsschule bietet nicht das, was viele junge Menschen brauchen.“ Er fordert drei Tage Arbeit, zwei Tage Sprachunterricht. Durch ein Praktikum habe man darüber hinaus bessere Gelegenheit, sich gegenseitig zu beschnuppern. Hormel bestätigte: „Die Nützlichkeit des Lernens in der Schule vermittelt sich nicht.“ Ein Umdenken müsse hier geschehen, befand auch Elektromeister Thomas Völker.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.