Die Sonderausstellung zum 75. Jahrestag der Zerstörung Kastels ist noch bis 17. November zu sehen. Foto: Ralph Keim

KASTEL – Am 8. und 9. September 1944 wurde Kastel bei alliierten Luftangriffen nahezu komplett zerstört. Hunderte Menschen fanden den Tod. Damit jährte sich diese Tragödie in diesem Jahr zum 75. Mal. Im Museum Castellum gedachten auf Einladung der Gesellschaft für Heimatgeschichte Kastel (GHK) zahlreiche Politiker, Vertreter von Vereinen und Institutionen und Kasteler Bürger den Opfern von damals. Unter den Gästen, die GHK-Vorsitzender Karl-Heinz Kues am Jahrestag begrüßte, waren unter anderem die Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling und sein Wiesbadener Amtskollege Gert-Uwe Mende sowie Christa Gabriel, Kasteler Ortsvorsteherin und Vorsitzende der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung. Einig waren sich alle, dass es ein schlimmer Tag für Kastel war, eine beispiellose Tragödie, der zahlreiche Unschuldige zum Opfer fielen.

GHK-Vorsitzender Karl-Heinz Kues. Foto: Ralph Keim

Doch Ortsvorsteherin Gabriel bekräftigte dabei auch, dass es Deutschland beziehungsweise die nationalsozialistischen Machthaber waren, die den Zweiten Weltkrieg angezettelt hatten. Los ging die Tragödie am 8. September 1944 (ein wolkenloser Freitag), als um 10.58 Uhr für die Region Vollalarm ausgerufen wurde. Von 11.23 bis 11.41 Uhr ging der Bombenhagel nieder, der auch Kostheim traf.

495 Menschen (354 in Kastel) starben, unter anderem wurde die Rochus-Kirche in Schutt und Asche gelegt, außerdem nahezu der komplette Ortskern von Kastel. Weitere zehn Kasteler verloren ihr Leben durch verspätet explodierte Bomben. 3000 Menschen wurden obdachlos. 540 Wohnhäuser wurden zerstört, 290 schwer beschädigt. Bei der 8. US-Luftflotte war man mit dem Ergebnis der ersten Bombardierung allerdings nur teilweise zufrieden. 23 Stunden später kam es zu einem erneuten Angriff, dem jedoch heftiges Abwehrfeuer entgegenschlug. Dieser Angriff traf überwiegend Mainz. Zum 75. Jahrestag der Zerstörung Kastels ist noch bis zum 17. November im Museum Castellum der GHK in der Reduit eine Sonderausstellung zu sehen – sonntags von 10.30 bis 12.30 Uhr. Außerdem hat die GHK eine Sonderveröffentlichung zu den Angriffen herausgebracht.

Der Zweite Weltkrieg und die Zeit danach ist auch Teil der Dauerausstellung im Museum Castellum. Foto: Ralph Keim

Besonders die Fotos von damals, die die Zerstörungen dokumentieren, erschüttern den Betrachter noch heute. Die Erinnerung an diese schreckliche Geschehnisse aufrecht zu erhalten, sei umso wichtiger, da es in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen mehr gebe, dankte Ortsvorsteherin Gabriel der GHK. Denn eine solche Tragödie dürfe sich nie mehr wiederholen, so die Redner einmütig. Der Gedenkfeier im Museum Castellum schloss sich am Nachmittag auf dem Friedhof eine Kranzniederlegung und danach eine ökumenische Andacht in der Kirche St. Rochus an.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“