Konzert gegen das Vergessen in St. Stephan mit dem Chor Capriccio und Camerata Risonanza. Foto: red

MAINZ – Mit Karl Jenkins ́ „The Armed Man – A Mass for Peace“ gedachten die Konzertbesucher in der Mainzer Kirche Sankt Stephan des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren. Das Konzert war als ein „Projekt gegen das Vergessen“ des Chores Capriccio und des Orchesters, Camerata Risonanza, unter der Leitung von Helmut Freitag, konzipiert. Im Gotteshaus, dem die berühmten Glasfenster von Marc Chagall eine Frieden stiftende Facette verleihen lauschten der Darbietung auch die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Der katholische Pfarrer von St. Stephan, Stefan Schäfer, erinnerte an das Wirken seines Vorgängers im Amt, Monsignore Klaus Mayer. „Ihm ist es wesentlich zu verdanken, dass diese Kirche nach dem Bombenhagel als die Gebetsstätte des Friedens wieder auferstanden ist“. Meyer habe als Zeitzeuge sich zur Lebensaufgabe gemacht, der Versöhnung zu dienen“. Schäfer erinnerte auch an die Spende des Mainzer Technologiekonzerns Schott, die vor zehn Jahren die Anschaffung von drei Glocken ermöglichte. In das Geläut der Stephanus-, Willigis- und der Maria Magdalena-Glocke gipfelte das Konzert, was den wohl beeindruckendsten Augenblick des „Konzerts gegen das Vergessen“ darstellte.

Die Musik der Friedensmesse mahne zum Dialog der Religionen, „ohne den es keinen Frieden geben kann“, sagte der Dirigent bei der Einführung in das zeitgenössische Werk. Entstanden ist „A Mass for Peace“ unter dem Eindruck des Kosovo-Krieges 19998 bis 99, bei dem nicht zuletzt religiöse Konflikte zwischen Muslimen und Christen eine tragende Rolle spielten. Melodisch führte das Werk den Spannungsbogen von der Verherrlichung des Krieges über die Tragödie der Zerstörung zur Vernichtung hin, die in einem Stimmen- und Notengewirr voller Dissonanzen, ja im erschreckenden Gekreische mündete. Die Zuhörer konnten musikalische Rückgriffe auf das Mittelalter, die Kompositionstechniken der Renaissance aber auch die Klangfarben des 20. und 21 Jahrhunderts erkennen. Hinein gestreut hat der Komponist nicht nur Psalmen, sondern auch den Gebetsruf des Muezzins. Unerwarteterweise erklang im zweiten Stück von der Empore der katholischen Chagall-Kirche „Allahu akbar“ (Monir Hamo). Erst gegen Ende der Friedensmesse entwickelte sich aus dem „Chaos und dem fassungslosen Anschauen“ (Freitag) die sanfte a capella Verheißung, wonach Gott alle Tränen abwischen werde. Als Solisten traten auf: Birgit Ensminger-Busse (Sporan), Antonia Busse (Sporan), Die gesprochenen Verse übernahm Andreas Heipe. Speziell im leisen Finale klangen sie prophetisch: „Läutet hinaus die tausend vergangenen Kriege, läutet ein tausend Jahre Frieden“.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.