Die aussichtsreichsten Kandidaten stellten sich in Marienborn den Bürgern, und die ließen ordentlich Dampf ab. Foto: kga

MARIENBORN – Autobahn und Lärm, Verkehr jenseits des Autos, Marienborn und Klimaschutz und die Entwicklung der Stadt Mainz, das waren die Themen, über die bei der Podiumsrunde in der Kulturhalle mit drei der fünf Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters gesprochen werden sollte. Am Ende bissen sich die auf Einladung der Initiative lebenswertes Marienborn zahlreich erschienen Zuhörer mit Tabea Rößner (Grüne), dem parteilosen Nino Haase sowie Herausforderer Michael Ebling (SPD) schon am ersten Punkt fest. Moderator Michael Sahr vom ZDF und selbst in Marienborn daheim hatte sich schnell von seinem Zeitschema verabschiedet. Allzu emotional wurde der Abend, an dem viele leidgeplagte Anwohner ihren Frust ablassen wollten. Seit weit mehr als 25 Jahren werde Abhilfe versprochen. Doch auch jetzt vermeinten manche nur leere Phrasen zu vernehmen. Sie wurden schon zu oft vertröstet. „Wenn dann noch die auf sechs Spuren angelegte Autobahnbrücke am Südkreuz fertig ist, dann ist alles vorbei“, so die Befürchtung. Der Ausbau des Mainzer Rings werde alles schlimmer machen. Lärmschutzwände gerade auch für die Anwohner des Sonnigen Hangs seien keine Lösung, sie können gar nicht hoch genug sein, um die Menschen in den oberen Stockwerken der Hochhäuser zu schützen. Michael Ebling blieb sachlich. Die Stadt habe jahrelang für den Ausbau des Rings gekämpft. Die Chance müsse also ergriffen werden, den Ausbau mit Möglichkeiten des Lärmschutzes zu kombinieren.

Die Autobahn ist eine der vielen Lärmquellen. Foto: kga

Rößner hält nichts davon. „Wir leben in einer anderen Zeit, wir müssen im Rahmen des Klimaschutzes an neue Formen der Mobilität denken.“ Als Traum bezeichnete Ebling schwärmerisch den Vorschlag Rößners, die Autobahn im Bereich Marienborn zu überdeckeln. Das würde den Lärm abhalten. Jedoch appellierte Ebling an die Vernunft. „Wie realistisch ist das, wie lange sollen wir warten, bis das einmal durchgesetzt und dann auch fertiggestellt ist?“, verwies er auf den zehnjährigen Bau des kurzen Autobahntunnels bei Hechtsheim. Das Problem, da war sich das Podium einig, ist die kleine Wirkkraft der Stadt Mainz, wenn es um Bundesautobahnen oder um den Flugverkehr geht. „Wir können da rein gar nichts entscheiden, wir können nur Hinweise geben, Wünsche äußern.“ Das Sagen hat das Bundesverkehrsministerium, auch wenn es nur um den Wunsch nach Tempo 80 im Bereich Marienborn geht. Haase erntete Applaus, als er dafür plädierte Mainz müsse medialen Druck aufbauen und offensiv und frech auftreten. Als erfahrener BI Sprecher in Sachen Bibelturm weiß er, wie wirkungsvoll das sein kann. Ebling wurde deutlich beim Fluglärm. Die Anflugsrouten müssten optimiert, die Flugbewegungen minimiert werden, der Druck muss Richtung Fraport gehen. „Spotpreisangebote für 18 Euro“, das sei eine Pervertierung des Wettbewerbs. Das Problem sei letztlich aber auch das fehlende Personal bei der Flugsicherheit (DFS). Hätten sie mehr Lotsten, könnten diese die Flieger auch in höheren Bahnen in Richtung Flughafen lenken. Auch das wäre ein Schritt in Richtung Lärmreduzierung.

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