Die Fotos von Rudi Klos zeigen ein Mainz, wie es heute kaum mehr noch existiert. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Er ist eine Legende in der Mediengeschichte der Landeshauptstadt: Viele Jahrzehnte fotografierte Rudi Klos (1927 bis 1995) für die AZ, war Sinnbild des Begriffs „rasender Reporter“. Der fotografische Nachlass des umtriebigen Bildjournalisten kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, handelt es sich doch längst um Zeitdokumente von unschätzbarem Wert.

Im Mainzer Rathaus ist jetzt auf Initiative seiner drei Kinder Rudolf Klos, Gertrud Hellack und Ursula Fischer eine kleine Auswahl dieser Fotografien zu sehen: Die Pressefotos aus den 50er und 60er Jahre, für die Ausstellung großformatig abgezogen, dokumentieren ein Mainz, das bei nicht wenigen Betrachtern ein Seufzen erzeugen wird. Bei der Vernissage der sehenswerten Ausstellung, die von Oberbürgermeister Michael Ebling und von Rudolf Klos eröffnet wurde, konnten sich die zahlreichen Besucher kaum sattsehen.

Zahlreiche Besucher kamen zur Vernissage. Die Ausstellung ist noch bis 19. Oktober zu sehen. Foto: Ralph Keim

„Kinners, wie die Zeit vergeht“, war nur einer der vielen Sätze, die die Fotografien den Betrachtern entlockten. Denn früher war es beispielsweise überhaupt kein Problem, auf der Straße spielende Kinder abzulichten. Denen begegnete Rudi Klos ständig, wenn er in Mainz und Umgebung unterwegs war. Und früher sah die Landeshauptstadt sowieso ganz anders aus als es heute der Fall ist. Irgendwie ging es auch wesentlich ruhiger und gemütlicher zu. Das ist zumindest einer der Eindrücke, die die Fotos vermitteln.

Mainz hat sich erheblich gewandelt. Und zu manchen Fotos – aufgenommen vor 50 und mehr Jahren – gibt es ein weiteres, kleines Bild. Und das zeigt, was der Blickwinkel von früher heute bietet. Rudi Klos lieferte sein erstes Pressefoto 1948 ab. Es zeigt ein Pferd, das in einer der Straßen in eine Baugrube gestürzt war und sich selbst nicht mehr befreien konnte. In den folgenden mehr als vier Jahrzehnten war Rudi Klos praktisch „rund um die Uhr“ im Einsatz, wie sich sein Sohn erinnerte.

Rudolf Klos führte in die Ausstellung ein. Foto: Ralph Keim

Was man sich in der heutigen, nahezu komplett digitalisierten Welt kaum mehr vorstellen kann: Rudi Klos musste seine Filme selbstverständlich ja erst einmal zu Papierfotos entwickeln, die er dann in der Redaktion ablieferte. Und als „rasender Reporter“ (immer unterwegs mit Fahrrad oder Moped) schaffte er es, noch zwischen zwei Terminen wichtige Fotos unterwegs zu entwickeln – in einem kleinen Sack. Eine Ausstellung seiner damals genutzten Kameras und Utensilien ergänzen die Fotos.

Rudi Klos verstand sein Handwerk – wie die ausgestellten Fotos belegen. Er hatte den Blick für das gewisse Etwas, das Gespür für den Augenblick. Doch seinen Kindern ist es nicht bei allen Bildern gelungen, detaillierte Informationen herauszufinden. Wer als Betrachter aushelfen kann, dem wäre Rudolf Klos dankbar.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Oktober in der Rathausgalerie zu sehen.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“