Vita Eisfeld: Vereinsvorsitzender des FCL, Fußballer und Visionär. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Mainz – „Geistlich, menschlich, sportlich“: Das Motto markiert den Werdegang und das Selbstverständnis vom FC Livingroom. Der Fußballverein, der sportliche Ziele wie christliche Werte in Ehren hält, entstand 2012 aus einem Sportprojekt innerhalb der „livingroom Kirche Mainz“ aus der Oberstadt, die Teil der evangelisch-protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist. 2015 machte sich der FCL als Verein eigenständig. Zweifelsohne ist er zum großen Teil die verwirklichte Vision des Vereinsgründers und 1. Vorsitzenden, Vita Eisfeld: eines Fußballers, der „tief im Glauben verwurzelt“ ist, wie er sagt. Der Fußball sei eine geniale Sportart, erzählt Eisfeld. Gleichwohl habe er in den aktiven Jahren in höher klassigen Vereinen, sich nie mit einem Gedanken anfreunden können: „Wenn du was kannst, dann spiele für uns. Wenn nicht, dann suche einen anderen Verein auf“, erinnert sich der Sportwissenschaftler und BWL-er. So habe er einen alternativen Weg eingeschlagen. Der FCL hält allen Fußballern die Tür weit offen, egal wie fit sie am Spielgerät sind. Die Idee, den gelebten Glauben auf den Rasen zu transferieren und so „Gottes Liebe in Mainz erfahrbar machen“, bedeutet für die Kicker: Werte wie Nächstenliebe, Respekt und Fairness in Ehrlichkeit umzumünzen. Ein Beispiel? „Es ist Eckball, doch der Schiri entscheidet auf Abstoß. Auch wenn es zu unserem Nachteil ist, wir informieren den Schiri. Das ziehen wir durch.“

Spucken und nachtreten ist ein „No go“ und wird sanktioniert. „Wenn wir ein Licht sein wollen, dann müssen wir darauf achten.“ Mittlerweile applaudieren manche Gegner. „Auch wenn sie es nicht nachmachen, aber das ist nicht unser Anspruch.“ Die Idee hat Früchte getragen. Seit der Gründung landet der FCL immer unter den drei Mannschaften, die am Saisonende die wenigsten Karten kassiert haben.“ Heute zählt der Verein rund 100 Mitglieder und zwei Mannschaften. Die Heimspielstätte liegt in Marienborn. Beileibe laufen nicht nur Christen in den FCL-Trikots auf. Das hervorstechende Beispiel ist Reza Parsaei, Torwart der 2. Mannschaft. Mit 61 Jahren gehört der gläubige Muslim zu den Ausnahmesportlern im Amateurfußball. Der FCL steht seinen Kickern dem Vereinsmotto entsprechend auch menschlich bei. „Aktuell fokussieren wir uns auf das Mentoring-Projekt, bei dem Spieler andere Spiele unterstützen, überall dort, wo der Bedarf ist.“ Doch wo geht die Reise langfristig hin? Aktuell spielen die Teams in der C-Klasse. „Wir wollen aufsteigen.“ Nach zwei knapp gescheiterten Versuchen, die „sehr sehr bitter waren“, sei dies das Saisonziel. „Dann wollen wir uns langfristig in der B-, beziehungsweise A-Klasse etablieren.“ Auf dem Sportplatz in Marienborn ließ der Verein zuletzt eine Kamera installieren, die die Spiele im Internet live überträgt und das Material für Trainingsauswertung liefert. Eine Jugendmannschaft aufzubauen scheitert derzeit am Trainigsplatzmangel.

Teilen
Vorheriger ArtikelAus Nachbarn werden Freunde
Nächster ArtikelLeere Geldbörse bekam er zurück
Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.