Können, Variationsreichtum, Humor , Leidenschaft und Intensität kennzeichnen das Absinto Orkestra. Foto: Helene Braun

BRETZENHEIM –Jolly Reinig (Violine) hält nicht nur das alte Bühnenoutfit seines Großvaters in Ehren, sondern spielt auch Opas Teufelsgeige, die er in alter Väter Sitte mal weinen und mal galoppieren lässt, bis am Bogen die Rosshaare glühen. So steht es auf der Website des Absinto Orkestras, das nun schon mehrfach dem ZMO einen bis zum Platzen gefüllten Saal beschert hat. So gern Vorsitzende Jutta Hager die Band bei sich hat, so gerne kommen die Musiker auch ins ZMO. Das Konzert anlässlich des 30-jährigen Bestehens der „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ kommt zwar teils mit denselben Stücken wie zuvor daher, doch je öfter man sie hört, umso mehr wird man eins damit. Diesmal geben die Musiker wirklich alles, und man kann beobachten und hören, wie gerade Jolly Reinig die Wiederholungen jedes Mal neu erfindet und neu erlebt. Er geht völlig auf in seinem musikalischen Tun und es kommt einem vor, als habe er noch nie so intensiv die Geige gespielt wie an diesem Abend. Man fürchtet ständig, die Saiten könnten reißen. Das ist sonst eher Frontmann Stefan Ölke an der akustischen Gitarre vorbehalten. An diesem Abend passiert es jedoch nicht, weder beim einen noch beim anderen. Ölke mag der Älteste sein in der Gruppe, aber er kann am höchsten springen. Orientalische Klänge, Sinti-Jazz und Osteuropäisches mischen sich zur Weltmusik. Die Musiker kommen aus aller Herren Länder genauso wie das Publikum. Der Rhythmus geht ins Blut und kaum einer kann die Füße stillhalten. Zu Traditionals wie etwa „Schwarze Augen“ kommen immer mehr selbst komponierte Stücke mit deutschen Texten, humorvoll und nachdenklich zugleich.

Bemerkenswert ist auch die Interaktion unter den Musikern: Spontan wendet sich ein Instrument dem anderen zu, lockt es heran, nimmt den Dialog auf und manchmal auch den Wettkampf. Jo Schappert bekam 1978 seine erste Gitarre geschenkt, erforscht seitdem die Welt der sechs Saiten und lässt sich in seinen Kompositionen von jeder Musik inspirieren, die ihm gefällt. Es sind nicht immer dieselben in der Band, aber Jo, Jolly und Stefan sind stets dabei. Mit den Musikern wechseln auch die Instrumente. Als „ständige Aushilfe“ bezeichnet sich Bastian Weinig am Kontrabass selbst, doch auch er bekommt seine Soli, bei denen er brillieren kann. Clinton Heneke aus Südafrika unterstützt die Band oft als Sänger und Percussionist. Er hat eine herausragende Stimme und am Ende lässt er sie auf Wunsch des Publikums auch hören. Titel wie „Das Wetter”, „Luna”, der Schrei des Frontmanns nach seiner verlorenen Liebe, deutsche Volkslieder mit russischen Traditionals gemischt, lassen auch das Auditorium mitsingen: „Nur nicht aus Liebe weinen”. „Männer in der Nacht”, „Schwarze Augen” folgen, „Komme, was da wolle” und mehr. Stefan Ölke kündigt launig das Lied an, das genau ausdrücke, welche Motivation die Musiker antreibe: „Girls, Girls, Girls”.

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Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.