NEUSTADT – Trainer Hilker Bierbrauer vom Projekt „Mut tut gut“ stellt in der Leibnizschule eine Aufgabe. Erst Jungen, dann die Mädchen sollen nacheinander einen festen Kreis bilden. Einem weiteren Kind soll es gelingen hineinzukommen. Sie versuchen es mit Gewalt. Wer hat gewonnen? Keiner. Durch die praktische Übung haben die Drittklässler erst verinnerlicht, was sie vorher glaubten, verstanden zu haben. Es geht auch mit Worten. Bierbrauer macht es vor: „Lasst ihr mich mal rein? Danke.“

In der Theorie und anhand von Bildern und Beispielen lernen die Kinder viel, die Vertiefung aber kommt mit der praktischen Übung. Foto: Helene Braun

Mit dem Netzwerk Rheinland in Kooperation hat der Mainzer Verein Funkelstern mit seiner Vorsitzenden Astrid Kaufmann einen Großteil der Trainingswoche finanziert, die Eltern geben einen Beitrag dazu. Funkelstern ist angetreten, Kinder stark zu machen. „Mit ´Mut tut gut` stärken wir seit 2016 das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein von Kindern an Mainzer Grundschulen, damit sich diese in schwierigen Situationen behaupten und vor Gefahren besser schützen können“, erklärte Astrid Kaufmann auch dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, der das Projekt näher kennenlernen wollte.

Foto: Helene Braun

Im Besonderen gehe es darum, die Sozialkompetenzen zu fördern und das Klassenklima zu stärken. Jede der neun Klassen hat dabei einen qualifizierten Trainer des Netzwerks Rheinland zur Seite. Spielerisch und dennoch konsequent führt Hilker Bierbrauer die Kinder an das heran, das ihnen helfen soll, in der Schule, im Umgang mit anderen Menschen, kurz in ihrem Leben klarzukommen. Er weiß genau, welche Knöpfe er drücken muss und hat dabei jederzeit jedes Kind im Auge. Die Kinder übernehmen selbst die Verantwortung für ein gutes Klassenklima, lernen ihr Grenzen kennen und probieren Konfliktbewältigungsstrategien spielerisch aus. Und sie sollen lernen „nein“ zu sagen, wenn sie jemand unter Druck setzen will, ob gleichaltrige Kinder, Jugendliche oder Erwachsene.

Foto: Helene Braun

Pro Schuljahr und pro Klassenstufe erhalten die Kinder elf Unterrichtsstunden durch die Trainer. Durch die Wiederholung und Vertiefung wird eine nachhaltige Wirkung erzielt. Wichtig: „Wir binden Lehrer, Schulsozialarbeiter und Eltern ein, auch sie werden geschult“, sagt Funkelstern-Schatzmeisterin Regina Schmiedt. Die Themen Missbrauch und häusliche Gewalt waren die ersten, die den Verein beschäftigten. Zunehmende Gewalt und Mobbing unter den Kindern ließen Kaufmann und Schmiedt abermals aufhorchen und handeln. Sie sind nun dabei, die Kurse dauerhaft in verschiedenen Mainzer Grundschulen zu etablieren. Dafür braucht es Spenden und Förderung, das Land Rheinland-Pfalz ist bereits unter den Zuschussgebern.

Weitere Infos zu diesem und weiteren Projekten unter www.funkelstern.com und www.netzwerk-rheinland.de.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.