Mit Matthäus Holleschovsky (li.) und Joscha Erbes (2.v.li.) hatten die Teilnehmer die rechten Fachleute an ihrer Seite. Foto: Helene Braun

OBER-OLMER WALD –Fast 20 Ehrenamtliche waren eine ganze Woche lang im Einsatz beim Bergwaldprojekt des Forstamts Rheinhessen, das auf naturnahe Wälder setzt. In ausgewählten Bereichen unter der Regie von Joscha Erbes und unter Anleitung von Matthäus Holleschovsky vom Bergwaldprojekt e.V. führten sie eine Mittelwaldpflege durch. Das Verblüffende: Aus allen Teilen Deutschlands kamen die Ehrenamtlichen, darunter viele Schüler und Studenten, aus Leipzig, München, Paderborn, Freiburg. Und: Es gibt sogar eine Warteliste für diese Einsätze, die auf rein freiwilliger Basis durchgeführt werden. Ziele der Einsatzwoche waren die ökologische Situation am Projektstandort zu verbessern und die Sensibilisierung für einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen. Weite Teile des Ober-Olmer Waldes sind Mittelwald. Joscha Erbes erklärte: „Der Mittelwald ist eine alte Bewirtschaftungsform, um Brenn-und Bauholz zu erzeugen − beides auf derselben Fläche, aber in unterschiedlichen Schichten und in unterschiedlichen Umtriebszeiten der Bäume.“ Diese Art der Bewirtschaftung ist seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar und wird als eine der Wiegen der nachhaltigen Waldnutzung verstanden.

Mittelwälder haben eine vielfältige Struktur und gehören daher zu den sehr artenreichen Waldbiotopen mit hohem Naturschutzpotenzial.“ Kurz gesagt: Die alten dicken Bäume bleiben stehen, von dem, was von unten nachwächst, wird ein Teil weggenommen, um Licht zu schaffen für weitere Arten. Beim Einsatz konnte man sehen, wie es geht. Die Kirsche lassen sie stehen, denn sie braucht viel Licht und entfernen dafür die Hainbuchen rundum, die für Verschattung sorgen und die seltene Kirsche nicht hochkommen lassen. So entsteht mit den Jahren und Jahrzehnten ein Mischwald, der auch dem Klimawandel trotzen soll. Am Ende waren es gut 1000 Bäume, die die Teilnehmer am unteren Stamm abgesägt und entfernt hatten. Wenn es auch die erste Maßnahme mit dem Verein Bergprojket war, so wurde bereits 1996 im Ober-Olmer Wald damit begonnen, diese alte Art der Waldbewirtschaftung zu reaktivieren. Ziel an diesem Standort sei es, besonders lichtbedürftigen und wärmeliebenden Tier-und Pflanzenarten ein ihren Bestand förderndes Biotop zu bieten, sagte Erbes. Und: „Bei dem Einsatz lernen die Teilnehmenden die wichtigen Funktionen des Waldes und seine Artenvielfalt kennen und leisten selbst einen persönlichen Beitrag zu dessen Erhalt.“ Das sahen auch die Teilnehmer so. Ann-Marie Fröhlich aus Leipzig etwa erklärte ihre Motivation: „Wir wollen der Natur etwas zurückgeben und etwas lernen über den Wald. Was hinter dem Ökosystem steckt, weiß man erst, wenn man reingeht.“ Andere waren regelrecht geschockt von der zum Programm gehörenden Exkursion in den Lennebergwald. „Bäume, die über200 Jahre alt, gehen dort jetzt kaputt.“

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.